Mein letzter Blogeintrag wurde in Singida von einem Virus gefressen, darum beginne ich übergangslos mit dem letzten größeren Thema in meinem Leben: Weihnachten.
Adventszeit
Am 28.11. brachen Jonas und ich auf zu unserer Reise durch Nordtansania. Den ersten Advent feierte ich also noch zu Hause. Dafür, dass Advent hier nicht gefeiert wird, wurde es weihnachtlicher als erwartet. Ich hatte aus einem runden Stück Karton, Tonpapier und zwei durchgebrochenen Kerzen einen Adventskranz improvisiert und die Konstruktion erklärt, darauf wurde gleich die Aufgabe verteilt, wer an welchem Sonntag welche Kerze anzündet. Nach dem Essen brannte die erste Kerze neben einer Öllampe, Maria und ich stimmten Weihnachtslieder an. Dazu bekam meine Familie einen Adventskalender (bei dem später irgendetwas mit der Benutzung schief gelaufen ist, was habe ich bis heute nicht erfahren). Die weitere Adventszeit wurde also so unweihnachtlich, wie man es sich in Regenwald und Savanne vorstellen kann. Die zweite Kerze wurde in einem Kranz aus Mangoblättern und Grünzeug am Ufer des Tanganikasees angezündet, gefeiert wurde mit Ananas, Reis und Schwimmen unter Sternenhimmel. Die dritte Kerze brannte in einem Bierdeckel in Karatu, nach drei Tagen Tiersafari in Serengeti und Ngorongoro-Krater, und die vierte wurde gar nicht mehr angezündet, weil es am nächsten Morgen früh von Arusha zurück nach Mwanga gehen sollte. Dabei erinnerten in Arusha schon einige kleine Läden, voll mit Plastikbäumen und kitschigem Weihnachtsschmuck, an das kommende Fest, und in der Bar unseres Gästehauses liefen ab und zu „Jingle Bells“ und „Mary’s Bornchild“. Ebenso im Radio unseres Minibusses, der uns am 19.12. zurück in die Heimat brachte.
23. Dezember
Weihnachten begann mit einem Fest der Dispensary, das jedes Jahr gefeiert wird. Morgens wurden die Ziegen geschlachtet, dann den ganzen Tag gekocht, um 15.00 begannen die Feierlichkeiten mit genauem Zeitplan, der auch nur mit einer halben Stunde Verspätung fast eingehalten wurde. Der eingeladene Priester kam zu spät, darum wurde, nach den kurzen Anfangsreden von Dr. Simon und dem gemeinsamem Singen und Beten, das Essen vorgezogen (Pilau- also Reis mit Fleisch gekocht-, Reis, Salat aus Kohl und Tomaten, Kartoffeln und natürlich Soda). Priester Paskali kam, als fast nichts mehr für ihn übrig war, und da das Essen im Mittelpunkt eines jeden Festes steht, waren seine Rede und damit die Feierlichkeiten recht schnell vorbei. Es wurde noch ein bisschen während des Aufräumens gesungen und ich schrieb mir einige Lieder für zu Hause auf.
24. Dezember
Morgens wurde das Haus geschmückt, also packte ich mein (mir von meinen Eltern geschicktes) Paket voller Plastikweihnachtsschmuck aus. Aber es kam super an: je kitschiger, desto besser, und als das halbe Wohnzimmer umgeräumt wurde, um Platz für den Baum zu machen, das Zimmer zu putzen und überall Lametta und Girlanden aufzuhängen war die Stimmung trotz 30 Grad Außentemperatur tatsächlich weihnachtlich. Besonders beliebt war der im Schlitten sitzendende und mit Batterien singende und fahrende Weihnachtsmann, der seit Jahren irgendwie von allen ungewollt bei uns im Wohnzimmer rumgestanden hatte. Und einen echten Weihnachtsbaum gab es tatsächlich. Mittags zog ich mit Lucy los in den Busch (also ein paar Meter von unserem Haus weg), um einen Baum zu fällen. Dieser kleine Busch sieht tatsächlich aus wie ein etwas magerer deutscher Tannenbaum, hat statt Nadeln aber dünne weiche Blätter und Dornen. Mit Weihnachtsschmuck ist kaum ein Unterschied zu erkennen.
Weihnachten beginnt hier in der Nacht auf den 25. Dezember. Da wir an diesem Tag gerade drei Deutsche im Dorf waren- mit uns Mara, die Freiwillige des letzten Jahres, die noch in Tansania lebt- beschlossen wir, im kleinen Kreis deutsches Heiligabend zu feiern. Die Weihnachtsgeschichte wurde vorgelesen, wir sangen deutsche Weihnachtslieder und bei Christstollen, Plätzchen und Schokolade (alles Geschenke aus Deutschland) gab es eine ganz kleine Bescherung.
Danach ging es tansanisch weiter. Es war schon nach acht, das Essen kochte noch, der Gottesdienst begann offiziell um halb zehn und meine halbe Familie (die, die nicht schliefen), Mara und ich kamen eine halbe Stunde zu spät und damit genau pünktlich nach den Rosenkränzen zum Gottesdienst. Dieser war nun wie alle anderen Gottesdienste, nur, da nachts, viel anstrengender. Im Halbschlaf bekam ich mit, dass die Weihnachtsgeschichte auf Swahili vorgelesen wurde und es in den Liedern um Jesus Geburt ging. Aber die Messe war kurz; alle freuten sich, dass es dieses Jahr ‘nur‘ 2,5 Stunden gedauert hatte. Nun war also offiziell Weihnachten.
25. Dezember
Um sieben morgens waren alle längst auf den Beinen. Die Ziege, die anlässlich des Festes geschlachtet werden sollte, stand seit dem Abend angebunden an einem Baum vor dem Haus. Ich wollte zusehen und war bei dem gesamten Vorhang dabei; als sie dann anfingen, die fertig zerlegte Ziege zu würfeln, bin ich irgendwann gegangen. (Vegetarier bin ich übrigens immer noch. Anlässlich des Feiertags kochte ich mir aus sibirischen Steinpilzen aus Deutschland und einer Fertigsoße aus dem letzten Paket meiner Eltern eine Soße für den Reis ohne Fleisch, der gewöhnlich auch bei keinem Fest fehlt.) Die andere Hälfte der Familie so wie die meisten anderen gingen vormittags (wieder) in die Kirche. Ich erklärte, dass man bei uns nur am 24. in die Kirche geht, und blieb zu Hause. Und das erwartete große Fest- blieb aus. Selbst als die Messe vorbei war verstreuten sich alle in alle Himmelsrichtungen, das Fleisch (als Pilau zubereitet) wurde auf dem Sprung gegessen. Seit wir angekommen waren, hatte es nicht mehr geregnet, und die Hitze motivierte auch nicht zu großen Unternehmungen, darum wurde die meiste Zeit mit Nichtstun verbracht, während das Radio immer wieder die zwei gängigen englischen Weihnachtslieder spielte. Das einzige, was abends daran erinnerte, dass heute ein Fest war, waren die Sodas, die wir zum Abendessen aus dem Laden mitgebracht hatten.
26. Dezember
Das änderte sich auch am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht. Mittags waren wir zu dritt bei Martha, einer Schwesternhelferin der Dispensary, beim Essen eingeladen. Ihre Weihnachtsecke war schön geschmückt mit besagten Weihnachtsbaumzweigen, angewelkten lila Blumen und über die Jahre gesammelten Glückwunschkarten. Man aß, man unterhielt sich eine Weile und ging wieder. Auf diese Art besuchten Mara, Jonas und ich noch gegenseitig unsere Gastfamilien. Geschenkt wurde sich gegenseitig nichts, von Maria bekam ich eine Weihnachtskarte, was bereits außergewöhnlich war. Abends beim Kochen sangen wir die Weihnachtslieder durch, die ich mir beim Weihnachtsfest abgeschrieben hatte- „We wish you a Merry Christmas“ auf Kiswahili wird uns vermutlich noch bis weit ins neue Jahr begleiten. Wir aßen in einer kleinen Runde, dazwischen kamen mein Gastbruder und Freunde und aßen die Reste der Ziege, den Kopf in diesem Fall, im Vorhof auf, verschwanden dann wieder in der Dunkelheit- und die Feiertage waren zu Ende.
Für Neujahr war nun bereits seit Wochen geplant und lange organisiert, nach Sansibar zu fahren. Nachdem ich also bei jeder Gelegenheit angegeben habe, Silvester an Traumstränden zu verbringen, habe ich mich einen Tag vor Abfahrt dafür entschieden, im verregneten Mwanga zu bleiben. Denn eigentlich ist es gerade großartig hier. Seit dem Beginn der Regenzeit hat sich alles unglaublich verändert. Innerhalb eines halben Monats war alles grün geworden, vor unserer Reise Ende November wuchs bereits Gras, man begann, die Felder zu bestellen. Jetzt wächst der Mais auf den Feldern, um den nun Wasser führenden Fluss sieht es aus wie im botanischen Garten, alles ist voller Leben. Aber vor allem sind gerade alle Secondaryschüler aus den Städten im Dorf, um die Feiertage bei den Eltern zu verbringen und auf dem Feld zu helfen. Mitte Januar, wenn bei allen wieder die Schulen anfangen, wird Mwanga sehr leer werden. Für diese Zeit habe ich auch einige Pläne, aber dazu ein anderes mal mehr.
In diesem Sinne wünsche ich nachträglich Heri ya Kristmasi und ein frohes Neues!
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