Sonntag, 23. Oktober 2011

Clinic II

Der Ablauf einer Untersuchung: Nachdem ich Gewicht und Blutdruck der Schwangeren auf ihrer Karte notiert habe, geht sie hinter einen Vorhang zur Krankenschwester. Mit einem Blick ins Auge wird Anämie getestet, die Beine werden auf Ödeme untersucht. Die Größe des Fötus wird mit einem Maßband vom meist im unteren Bauchbereich ertasteten Kopf bis zum ebenfalls erfühlten Ende gemessen. Liegt der verschoben, wird eine Gymnastikübung aufgegeben, die die Lage des Fötus nach einer Woche meist richtet. Dann wird der Bauch nach dem Herzschlag des Kindes abgehört, die Mutter gefragt, ob sich das Kind im Bauch bewegt, und die Mutter kann gehen.
Beim ersten Besuch in der Klinik gibt es nach der Untersuchung eine Tablette. Maria sagt, die ist gegen den Appetit der Frauen auf Schlamm, den sie während der Schwangerschaft häufig verspüren. (Korrektur von Anja: Sie kriegen Mebendazole als Prophylaxe gegen Würmer, die könnten nämlich auch dem Kind schaden. Und das mit dem "Schlamm" stimmt so nicht ganz. "Odongo" ist Lehm und enthält ganz viel Eisen - etwas, das die Frauen besonders in der Schwangerschaft brauchen (Eisen für die Produktion der roten roten Blutkörperchen, der Körper braucht ja während der Schwangerschaft auch mehr Blut), aber mit der Nahrung kaum aufnehmen. Deshalb essen sie Odongo, der allerdings auch noch Würmer enthalten können. Also: Mebendazole. Und sie kriegen (wenns vorrätig ist, was es bei mir eher selten war) Eisendragees, damit sie eben keinen Odongo essen müssen.) Theoretisch müssten die Frauen beim ersten mal gynäkologisch untersucht werden, aber normal wird es ihnen nur angeboten und das Angebot abgelehnt.
Bei Problemen während der Geburt wird die Frau ins Krankenhaus in Haidom gefahren. Eine Geburt im Krankenhaus wird bei riskanten Schwangerschaften generell empfohlen: bei Frauen unter 20 oder über 35, bei besonders kleinen Frauen oder besonders großen Babys, bei falscher Lage etc. Meistens entscheiden sich die Frauen trotzdem für eine Geburt in der Gesundheitsstation. Sie müssten selbst nach Haidom fahren, 30 km, entweder mit dem Fahrrad oder mit dem Bus, sagt Maria. Bei akuten Problemen gibt es einen Wagen zum Transport nach Haidom, der hinterher aber bezahlt werden muss, 17 Euro umgerechnet. Falls das Geld nicht gezahlt werden kann, muss die Station die Kosten übernehmen.
Zu den Kosten: Schwangere und Kinder bis 5 haben Anspruch auf kostenlose Behandlung, für Impfungen und Untersuchungen zahlen sie nichts. Untersuchungen im Labor bei Krankheit müssen bezahlt werden. Ein paar Beispiele: Urinprobe 25 ct, Blutprobe für Malariatest 25 ct, Stuhlprobe 50 ct, Test auf Salmonellen 1 €. Syphillis ist ein anderes Beispiel. Wird bei einer Schwangeren Syphillis festgestellt, gibt es normaler weise bereitgestellte Medikamente, die nur 30 ct kosten. Manchmal ist davon aber nicht genug vorhanden und das HC muss selbst die Medikamente kaufen, dann muss die Frau den vollen Preis zahlen.

Neulich hatte ich meinen erfolgreichsten Tag bisher. Ich war zum ersten mal alleine beim Empfang der Mütter und habe bis auf ein Geburtsdatum (mit ‚gestern‘ hatte ich nicht gerechnet) keine Hilfe gebraucht. Maria war im Untersuchungszimmer, ich habe die Impfungen gemacht. Zur Krönung des Ganzen habe ich während der Teepause so etwas wie Smalltalk mit Dr. Simon und einer Schwester halten können.
Ansonsten habe ich letztens, als unsere Laborassistentin krank war, eine Woche mit Schwester Clelia im Labor gearbeitet. Meine Aufgabe war wieder einmal, alles in irgendwelche Bücher zu schreiben. Aber so habe ich Malaria, sowie Trichomonas Vaginalis und andere (Bakterien-)Zellen unter dem Mikroskop sehen können und weiß nun, was ich mit Blut-, Stuhl- und Urinproben für welchen Test anfangen müsste. Da Schwester Clelia so viel Englisch spricht wie ich Swahili, war die Arbeit nicht allzu kommunikativ, aber trotzdem (oder gerade deshalb) eine angenehme Pause vom Moskitonetze verschreiben..

Am meisten Spaß macht die Arbeit aber in der Clinic mit Maria. Sie ruft mich zu den Untersuchungen, zeigt viel, erklärt viel, und das auf Englisch und ohne regelmäßige Vorwürfe, warum ich immer noch kein Swahili kann. Generell ist Maria ein Schatz. Sie beantwortete alle Fragen mit einer Engelsgeduld, hat für alles Verständnis, ist immer fröhlich und macht auch mal beim Seilspringen mit meinen Schwestern und mir im Hof mit.

Nach der Arbeit bleiben 6 Stunden Tageslicht fuer Freizeit und Hausarbeit, meistens ueberwiegt zweites. Mir fehlt eigentlich weder elektronische Unterhaltung noch eine Dusche, aber die Waschmaschine vermisse ich spaetestens, seit mir die Seife die Haut wegaetzt. ;)

Beste Gruesse,
Olga

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