Sonntag, 2. Oktober 2011

Das neuste aus Mwanga

Ein kleiner Einblick in das Gesundheitswesen Tansanias:

Wenn eine Schwangere zu uns auf die Gesundheitsstation kommt, bekommt sie eine Karte, in die in Zukunft alle Untersuchungsergebnisse geschrieben werden. Hierzu wird sie unter anderem nach dem Namen, Beruf, Bildungsstand, Ehemann, Alter und Dorfoberhaupt gefragt. Dazu gibt es ein Rezept fuer ein Moskitonetz, das sie fuer umgerechnet 25 Cent abholen kann. Von da an kommt sie monatlich, erst zur eigenen Untersuchung, spaeter zu der des Kindes. Ein Kind bekommt einen Monat nach der Geburt eine Karte bzw. ein Blatt Papier, auf das in Zukunft Impfungen und Gewicht eingetragen werden. Auf den frueheren Karten ist dazu noch ein Diagramm, das aussagt, ob das Gewicht im Bezug auf Alter im normalen (gruenen) oder kritischen (grau und rot) liegt. Die Impfungen werden zusaetzlich in einem Buch protokolliert. Geimpft werden: 1x BCG (Tuberkulose), 3x Polio und DPT (Diphterie, Tetanus, Keuchhusten) und 1x Masern nach neun Monaten.

Morgens um acht treffen sich die Mitarbeiter zum gemeinsamen Beten, danach werden die Untersuchungsraeume gefegt und es kann losgehen. Meine Aufgabe ist nun vor allem: Protokollieren. Moskitonetzrezepte schreiben, Moskitonetze ins Buch eintragen, Impfungen zaehlen und eintragen, Karten fuer Frauen und Kinder schreiben, Kinder registrieren, ausserdem Gewicht der Frauen und Kinder aufschreiben und Blutdruck der Schwangeren messen. Wenn dann mal, wie am BCG-Impftag Dienstag, der Warteraum voll ist, nimmt das Protokollieren kein Ende mehr. Zusaetzlich wird vieles auf einer Liste gezaehlt: Anzahl der Kinder aus Mwanga unter und ueber einem Jahr, Anzahl der Kinder aus umliegenden Doerfern, Anzahl der einzelnen Impfungen, der Kinder mit einem Gewicht im grauen Bereich und denen im Roten. Fuer ein Moskitonetz muss eine Frau im Buch unterschreiben, das Rezept erhalten zu haben; falls sie nicht schreiben kann, wird ein Daumenabdruck genommen. Die Kinder haben alle eine eigene genaehte Hose, in der sie auf eine Waage gehaengt werden. Am Donnerstag wurde mir gezeigt, wie man impft: Polio als Schluckimpfung, Tetanus und DPT als Spritze (die direkt danach entsorgt wird). Allerdings gibt es so viel an Schreibarbeit, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine meiner Aufgaben werden wird. Um eins schliesst die Clinik und damit endet meine Schicht, ab da sind nur noch eine Schwester und ein Arzt auf Bereitschaft im Haus.
Es gibt hier im Monat nicht unter 25 Geburten, sagte eine Schwester. Die erste habe ich am Dienstag gesehen.

Die Gesundheitsstation hat ausserdem fliessendes Wasser durch die Energie einer Windmuehle, im Labor fuer Blut- und Urintests Strom durch Solarzellen und ein Auto, das die Schwangere bei Geburtskomplikationen ins 30 km entfernte Krankenhaus von Haidom fahren kann. Dieser Wagen kann (wie heute) auch mal zum Taxi umfunktioniert werden und Mitarbeiter und deren Freunde nach Haidom mitnehmen...

Bilanz nach einer Woche: Wenn man das ganze Buchsystem verstanden hat ist alles nicht so schwer. Die einzige Herausforderung bleibt die Sprache, in der Freizeit noch mehr als bei der Arbeit. Ich frage mich, wie ich von den paar Vokabeln, die ich am Tag lerne, einmal Swahili sprechen koennen will. Meine Gasteltern und die meisten Schwestern sprechen Englisch, was alles fuer den Anfang ziemlich erleichtert, aber zu nicht Swahili sprechenden Menschen ist der Kontakt bisher fast unmoeglich.

Das ist aber auch das einzige Problem hier, alles andere laeuft so gut, wie ich es nie erwartet haette. Meine Gastfamilie ist grossartig. Ich habe ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch, eine eigene Oellampe fuer den Abend und die besten Gastschwestern- und Cousinen, die es gibt. Spielen ist wahrscheinlich das einzige, das ohne Sprache noch mehr Spass macht, und Tanzen bei Radiomusik ist die beste Unterhaltung. Mein Wecker ist unser Haushahn, der ab halb sechs morgens im Minutentakt kraeht. Was Tiere betrifft hat Jonas aber die interessanteren Geschichten zu erzaehlen: bei ihm gibt es fast jeden Abend Alarm wegen fremden Hunden oder Hyaenen auf dem Grundstueck, er hat durch die Herde seiner Gastfamilie regelmaessig zerlegte Kuehe vor dem Fenster und vorgestern fand er neben dem Wassertank seiner Familie eine Giftschlange, die daraufhin wohl ziemlich eindrucksvoll getoetet wurde.

Ansonsten beginnt hier gerade, einen Monat zu frueh, die Regenzeit. Die ersten Akazienknospen spriessen, Mt. Hanna liegt jeden Morgen eindrucksvoll in den Wolken, es summen die ersten Muecken um das Mosiktonetz und bald werden manche Strassen unpassierbar. Aber eigentlich bin ich auch nur wegen den Berichten fuer Kolping im Netz, auf die sich alle zukuenftigen Weltwaertsler freuen duerfen.

Zuletzt: Kennt jemand Klatschspiele wie "Die Schule hat gebrannt-brannt-brannt" oder aehnliches? Bitte um Emails. :)

Guten Tag, habari za mchana und lawo tlatlaang,
Olga

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen