Es geht zur nächsten Reise: Zwischenseminar von Kolping in Moshi über Haidom und Arusha. Auf dem Sprung ein paar Worte zu dem, was hier schnell zur Selbstverständlichkeit wurde.
Alle Unterschiede zu zu Hause, die erstmal am größten erscheinen, fallen eigentlich kaum ins Gewicht. Strom: da es um 19.00 Uhr dämmert und um 20.00 stockfinster ist, gilt 21.00 Uhr bereits als tiefe Nacht (und ist seit Januar die Uhrzeit, um die die Familie nach einer Regel des Vaters zu Hause sein soll). Zu Hause lässt es sich mit dem Licht von Öllampen und Kerzen aber ebenso essen, unterhalten und lesen, auch über Mitternacht hinaus. Müsste ich kochen, würde ich es vielleicht nicht so sehen. Fast jeder Haushalt hat mindestens eine Haushaltshilfe, weil Hausarbeit viel Kraft und Zeit in Anspruch nimmt. Das Feuer zum Kochen muss am brennen gehalten und reguliert werden, Wäsche waschen dauert, besonders für eine vielköpfige Familie, lange, und der Wasserhahn ist einen knappen Kilometer entfernt. Seit meine Gastschwestern weg sind wird ein Junge dafür bezahlt, dass er uns Wasser bringt. Da unser Wagen für die Wasserkanister kaputt ist, hatten wir neulich ein Problem, als er nicht kam; Wäsche waschen ging nicht, meine Gastschwester holte mit einem Eimer auf dem Kopf das nötigste. Am Tag danach hat dafür der Regen beide 200l-Wassertonnen gefüllt. Dazu kommen Boden wischen, Kartoffeln schälen, Mais für Makande (Mais mit Bohnen) stampfen, Geschirr spülen- ein Hausmädchen arbeitet viel. Im Vergleich dazu ist es irgendwie albern, zu erwähnen, dass man seine Wäsche selber wäscht und abends mit einem Eimer Wasser kalt duscht. Mein Handy lade ich, wie das ganze Dorf, bei den Nachbarn mit Solarplatten auf dem Dach, wenn es nicht gerade verloren oder kaputt ist. Und ein Kühlschrank wird hier gar nicht erst gebraucht. Karfoffeln, Mais, Reis, Kochbananen und Bohnen halten sich auch ohne, Gemüse und Milch gibt es frisch vom Markt, Feld oder von der Nachbarin.
Von der Arbeit gibt es nichts mehr zu erzählen. Nach wie vor bin ich in der Klinik, kenne mich nun aus mit Büchern und Impfungen und bin damit dort die größte Hilfe, auch wenn ich, wie mittwochs oder bei Regen, den ganzen Tag ohne Arbeit am Empfangstisch sitze und lese. In den anderen Bereichen- Labor und OPD- gibt es aber auch nicht mehr Arbeit an Tagen wie diesen.
Dafür habe ich seit einer Woche einen neuen Job, den ich nach dem Treffen weiterführen werde. Unsere Nachhilfe haben Jonas und ich nun, da alle Nachhilfeschüler auf weiterführende Schulen gehen und dafür weggezogen sind, auf Eis gelegt. Dafür bieten die Pfarrer der Kirche nun ein Kurs für Erwachsene an, die die Secondary nicht bestanden haben und die Prüfung wiederholen wollen, und suchen dafür Lehrer- bis sie jemand anderen gefunden haben, unterrichte ich also nun fünf Erwachene in Englisch. (Was bei ihnen das gleiche heißt wie in jeder anderen Klasse: ganz von vorne anfangen.) Als ich nach dem dritten Tag fragte, ob sie mit mir weitermachen wollen, sagten sie ja: sie verstehen mich gut, können auf Kiswahili Fragen stellen, und hätten mir kaum ein netteres Kompliment machen können.
Was sich aber seit einiger Zeit am meisten geändert hat ist meine Freizeit, zu verdanken habe ich das zwei Freunden: Julius und Lohhy. Was ich davor an Zeit zu Hause verbracht habe, verbringe ich nun mit ihnen. Der Fluss, der in der Nähe fließt, ist an einer Stelle tief genug zum Schwimmen- an einem Tag waren wir zu sechst dort baden, spielten danach Würfelspiele mit Keksen im Schatten unter der Sonne; schöner kann das Leben kaum sein. Abends bin ich häufig zum Nachrichten gucken bei Juli, seine Familie hat Strom und einen Fernseher, an anderen Abenden treffen wir uns bei mir und spielen Würfel-, Karten- und Brettspiele. Auch einfach nur rumsitzen und reden, zu Hause oder draussen im Busch, ist noch nicht langweilig geworden, Geschichten und Gerüchte gibt es genug, jeden Tag neue.
Ansonsten ist gerade das ganze Dorf mit der Bohnenernte beschäftigt. Während ich auf Sansibar war hatte es nicht geregnet, viele Maisfelder sind eingegangen, Bohnen vertrocknet. Je nach Standort des Feldes und Zeitpunkt des Bestellens traf es die Leute unterschiedlich. Meine Familie zum Beispiel, die lange auf den Tracktor zum Ausleihen gewartet und damit spät gepflanzt hat, hat eine selten kleine Bohnenernte dieses Jahr. Julis Familie hat Kühe, die die Felder früh bestellt haben, ihre Ernte ist besonders groß. Letzte Woche kam der erste große Regen, seit ein paar Tagen regnet es die ganze Zeit. Das sollte dem verbliebenen Mais und den Sonnenblumen helfen.
Da ich nicht helfen darf ("du kannst das nicht, du bist erkältet, du bist müde, du tust dir weh" etc.) und meist vormittags, wenn ich in der Klinik bin, gearbeitet wird, habe ich davon nicht so viel mitbekommen. Bei der nächsten Ernte werde ich mich durchsetzen…
Всё читать интересно ! Хотелось бы знать больше о нарподной медицине .
AntwortenLöschenО народной медицине , о легендах , есть ли там свои сказки , в каких богов или в какие силы верят , что знают об аде и рае , о чём мечтают , Средняя продолжительность жизни какая , что знают о России , как относятся к Америке и Европе , знают ли о кризисе в Греции .....
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