Was kling wie ein Krimi aus der Dorfbücherei begann tatsächlich am Freitag zwei Wochen nach Neujahr.
Am 12. Januar kam Dr. O., ein Arzt aus der Gesundheitsstation, Ehemann der Krankenschwester Mama O. und Vater von sechs Kindern, um etwa acht Uhr abends nach Hause. Er bat um Essen und aß zusammen mit den Kindern Ugali, bevor er sich schlafen legte. Zwei Stunden später kam seine Frau ins Zimmer und wollte ihn wecken, damit er sich auf die andere Seite legt. Aber er ließ sich nicht wecken. Dr. O. war tot.
Am nächsten Morgen wusste bereits das ganze Dorf davon, ich erfuhr bei der Arbeit, dass unser Kollege gestorben war. Er war Anfang vierzig, gesund, hatte am Nachmittag noch Volleyball gespielt- alle waren fassungslos. Ich hörte die Geschichte mehrmals. L., die älteste Tochter, sei zu einem anderen Arzt der Mission gelaufen, der nur den Tod feststellen konnte, die Leiche wurde mit dem Dispensarywagen ins Krankenhaus in Haidom gebracht. Am Morgen wurde L. mit einem Nervenzusammenbruch erst in die Dispensary, dann ins Krankenhaus eingeliefert. Die Mutter war mit den anderen Kindern zu Hause.
Von einem Tag auf den anderen war alles anders in Mwanga. Vile Läden wurden geschlossen, Pläne für den Tag verworfen- mittags sah man die Menschen aus allen Richtungen zum Haus der Familie pilgern.
In einer Situation, in der man bei uns keine Worte findet, gibt es hier eine Antwort: Pole. Noch während der Arbeit wurde ich bei der Hand genommen und zu L. geführt, bevor sie nach Haidom gebracht wurde. Sie lag als einzige auf einem der vierzig Betten im Spital. Eine Gruppe von zehn bis zwanzig Frauen saß um das Bett herum, an dem die Mutter versuchte, ihre Tochter anzusprechen. Ich kannte die Familie zu dem Zeitpunkt kaum, aber darum ging es bei dem Besuch nicht, auch nicht um Trost oder die richtigen Worte, sondern einfach um Anteilnahme. Keiner ist alleine, alle trauern gemeinsam. Mittags besuchten Jonas und ich die Familie. Unmengen von Menschen standen in Gruppen um das Haus herum, Frauen kochten draußen Essen für die Gäste. Wir wurden ins Zimmer geführt, in dem Mama O. mit Tüchern bedeckt im Bett lag und drei bis zwanzig Frauen bei ihr saßen und mit ihr weinten. Meine Gastmutter selbst hatte das Haus früh morgens verlassen und kam erst um Mitternacht nach Hause, sie wich nicht von Mama O.s Seite. Wir sprachen unser Pole sana aus, saßen eine Weile wortlos zusammen und gingen.
Am nächsten Tag hatte ich Geburtstag. Ich dachte, dass nun natürlich nicht mehr an feiern zu denken sei- aber da hatte ich nicht mit meinen Freunden und meiner Familie gerechnet; am Abend kamen als Überraschungsgäste die anderen drei Kolpingfreiwillige und unser Mentor aus Singida für das Wochenende zu Besuch. So hatte der folgende Tag zwei Seiten für mich. Auf der einen Seite war da ein toller Geburtstag mit einem Filmabend zum Reinfeiern, bis der Laptopakku leer war, und dem besten Sommertag, um den Gästen Mwanga von seiner schönsten, grünen Seite zu zeigen. Mittags kletterten wir auf Bäumen, beobachteten die Affen am Fluss, picknickten mit Ananas unter Akazien, abends sangen wir auf dem Wohnzimmerboden mit Gitarre Lagerfeuerlieder. Und Mama Ingi, der größte Schatz unter der Sonne, hatte selbst Nachbarn mit Einkaufen und Kochen beauftragt, damit es doch noch eine Feier- heißt ein unglaublich gutes Essen- gab.
Und auf der anderen Seite war die Trauer. Ich besuchte Mama O. morgens alleine und mittags mit den anderen, wieder saßen wir in einer großen Runde und tranken stumm Tee zu Teiggebäck zusammen mit der Witwe. Nachmittags saßen ein paar Jugendliche bei uns im Hof und tranken Tee, ich stellte mich zu ihnen und erfuhr erst, als sie gingen, dass das die Kinder von Dr. O. gewesen waren. Die Beerdigung sollte am nächsten Tag stattfinden, und so dankbar ich für alles war, was man mir zu Liebe getan hatte, hoffte ich, die Hilfe am nächsten Tag zurückgeben zu können.
Denn die Beerdigung wurde komplett von Freunden, Familie und Nachbarn organisiert. Die Arbeit begann früh morgens: Wasser, viel Wasser, musste geholt, Kochutensilien organisiert, Holz zum Kochen gehackt, Essen organisiert, eine Kuh geschlachtet werden. Als ich kam waren alle längst am Kochen. Männer saßen abseits im Kreis und würfelten bereits die Kuh, Frauen kochten auf zahlreichen Kochstellen in riesigen Töpfen Ugali, ganze Säcke von Reis wurden entsteint, Gemüse in ebensolchen Mengen geschnitten und gerieben. Das Haus der Familie O. war längst ein öffentlicher Platz. Stühle wurden aufgestellt, Plastikplanen um das Haus installiert, Kisten mit Limonade hergeschafft. Dabei musste sich die Familie weder um etwas kümmern, noch etwas zahlen: alles Essen waren Spenden der Nachbarn. Nicht einmal um den Papierkram musste sich Mama O. sorgen, Mama Ingi war am Tag zuvor zur ‚Bezirksverwaltung‘ gefahren, um das zu erledigen. Gegen Mittag war man fertig; ein ganzer Bus kam mit den ersten Gästen. Und Gäste sollten es viele werden-später zählte ich grob geschätzt um die 800 Menschen.
Der Sarg wurde gegen Mittag aus Haidom gebracht. Er kam erst ins Haus der Familie, später trugen ihn Männer in die Kirche. Wie alles andere wurde auch das Grab von den Nachbarn gegraben. Weder am letzten Sonntag des Kirchenjahres, noch an Weihnachten war die Kirche so voll wie zu diesem Gottesdienst. Schwarz zu tragen ist hier keine Tradition, dafür bedecken Frauen den Kopf mit einem Tuch. Und nach drei Stunden Gottesdienst und einer halben Stunde Beerdigung war alles vorbei.
Tatsächlich war die Stimmung auf einmal anders, wie erleichtert. Ich verbrachte, wie viele andere Gäste, den Abend bei der Familie. Als ich kam, kam lautes Lachen aus dem Wohnzimmer, es war schon dunkel und im Hof hatte man ein Lagerfeuer angezündet. Eine weitere Tradition ist, dass die Männer der Nachbarschaft in den ersten Nächten als Wache draußen vor dem Haus der Familie schlafen, und so saßen wie auch am Abend zuvor viele Männer unter den Plastikplanen, unterhielten sich oder spielten Karten. Ich kam auch am nächsten und übernächsten und auch am Tag darauf zu Besuch. Die Männerrunde am Feuer am Abend wurde immer kleiner, manchmal spielte ich auch nur mit Mama O. und den Kindern. L. war seit der Beerdigung wieder zu Hause. Nach einer Woche wurden die Plastikplanen abgebaut, die letzten angereisten Verwandten fuhren nach Hause. Das Leben ging weiter.
Nach einer Woche schien sich alles fast normalisiert zu haben, als ich das erste mal von einem kommenden Treffen erfuhr. Meine Kollegin sagte mir bei der Arbeit, dass das ganze Dorf kommen wird, Mitglieder aller Stämme. Ich fragte ein bisschen herum und man sagte mir, es ginge um den Grund des Todes von Dr. O. Es seien davor noch 1-3 andere Männer plötzlich gestorben und man wolle diese Angelegenheiten bereden.
Erst zwei Tage vor dem Treffen erfuhr ich die echten Gründe. Ich hatte schon kurz nach der Beerdigung von solchen Gerüchten gehört und dachte, das sei nichts als Gerede, aber welche Folgen solches Gerede haben kann hatte ich mir nicht vorstellen können.
Die Leute sagten, Dr. O. wurde vergiftet. Der Arzt, der ihn kurz nach seinem Tod gesehen hat, und wohl auch die Ärzte in Haidom sollen die Vermutung geäußert haben. Es hieß, er sei angeschwollen und eine dunklere Haut gehabt haben als gewöhnlich. Mama O. hatte einer postmortalen Untersuchung nicht zugestimmt, darum blieb es bei der Vermutung, die zu diesem Zeitpunkt aber längst als Gewissheit galt. Die große Frage war also, wer ihn vergiftet hat.
Die Hauptverdächtige dabei: Mama O. selbst.
Ich fragte viele Leute nach den Gründen, was sie dabei erzählten war zum Teil haarsträubend. Sie hätte nicht geweint, als sie sah, dass er tot war, ihre Worte hätten wie eine Bestätigung geklungen statt wie eine Frage. Man erzählte, O. hätte bereits am Tag zuvor eine Vorahnung gehabt und habe seinem ältesten Sohn seine Felder gezeigt. O. und Mama O. hätten kurz zuvor gestritten- dass O. bereits lange eine Affäre hatte war im Dorf bekannt. Sie soll gesagt haben, dass einer von ihnen, O. oder die andere Frau, dieses Jahr nicht überleben wird. Die Hauptgründe waren aber vor allen Dingen, dass Mama O. die letzte war, die ihm Essen gegeben hat, und dass sie abgelehnt hat, die Todesursache herauszufinden.
Am Samstag lief eine Gruppe von Frauen durch die Gegend und sang. Der Gesang war die Einladung zum großen Treffen am Sonntag. Jemand sagte mir, sie singen für Mama O., ich fragte, ob sie damit ihr Mitleid ausdrücken. Sie fragen nach den Gründen für O.s Tod, sagte man mir. Am Abend trafen sich Frauen am Ort der Versammlung, um die Nacht draußen zu schlafen. Es hieß, man dürfe nicht an diesem Treffen vorbei, ohne zu grüßen und sich dazuzusetzen. Mama Ingi ging nicht, weil sie Zahnschmerzen hatte, ich konnte aus anderen Gründen leider nicht hin. Ich war bis zum späten Abend bei der Familie, redete mit L., sah mir mit Mama O. und den Kindern ihre Fotoalben an. Sie verloren kein Wort über das Treffen. Es wirkte alles wie ein eigenartiger Scherz, dabei war es alles andere als das. Seit zwei Wochen hatten sie mit den Vorwürfen zu kämpfen, von Leuten, die kurz davor noch zusammen mit ihnen geweint haben, mit denen sie seit Jahren zusammen leben, von Nachbarn und Freunden, wo der Schmerz über den Verlust selbst noch lange nicht verarbeitet ist. Ich kann mir jetzt noch nicht erklären, was die Leute dazu brachte, der Familie so etwas anzutun.
Es hieß, das Treffen beginnt um zehn Uhr, Mama Ingi und ich kamen kurz vor elf, später erfuhr ich, dass man da schon seit Stunden diskutierte. Unter ein par Bäumen nicht weit weg vom großen Platz vor unserem Haus saßen geschlechtergetrennt Frauen und Männer auf dem Boden um eine freie Fläche herum, auf der die wechselnden Redner standen oder liefen. Ein Stock, der jeweils weitergegeben wurde, erlaubte das Sprechen. Als wir kamen waren zunächst nur Iraqw da, gesprochen wurde in der Stammessprache, etwa eine Stunde später begannen sie, alles auf Kiswahili zu übersetzen. Mama O. und L. saßen unter den Frauen, wir setzten uns zu ihnen.
Ich war die ganze Zeit dabei, dennoch erfuhr ich fast alles, was ich über den Inhalt des Treffens weiß, erst hinterher: mal fehlte die Übersetzung, dann war der Übersetzer zu leise oder er ging in den Stimmen unter, und nach zwei Stunden war die Konzentration zum Zuhören weg. Im Grunde war alles eine große Anklage an Mama O. Sämtliche Indizien wurden ausgebreitet, diskutiert, man ging ins Detail. Mitglieder aller Stämme kamen zu Wort, die Leute kamen zum Teil aus Singida und weiter weg, und während die Zeit veging wurden es immer mehr Teilnehmer, bis sich um den Kern herum ein großer Kreis stehender Zuschauer gebildet hatte; es waren bestimmt über 300 Menschen anwesend. Jeder, der etwas zu sagen hatte, konnte sprechen. Und es schien, als wären sich die Leute einig.
Mama O. soll ihn umgebracht haben. Eine Verteidigung hatte sie nicht, ein paar mal nur stand sie selbst mit schwacher Stimme vor den Leuten und sprach. Auch L. sprach zwei mal vor allen Leuten. Mit tränenerstickter Stimme und trotzdem mit wahnsinnig viel Kraft erzählte sie, was an jenem Abend geschah. Als sie redete, weinten alle mit- dass die Kinder unschuldig sind stand außer Frage, es ging hierbei nur um die Mutter. Als ich hinterher mit Mama Ingi sprach, wurde sie wütend beim Reden- es seien Dinge gesagt worden, die nicht schön sind, die man nicht in einer solchen großen, gemischten Gruppe bespricht. O. war an jenem Abend, bevor er nach Hause kam, im Laden der anderen Frau gewesen und hätte getrunken- aber betrunken sei er nicht gewesen. Sein häufiger starker Alkoholkonsum (hier für Männer nichts Ungewöhnliches) war bekannt. Auch sie und ihr Mann- ein Arzthelfer aus der Gesundheitsstation- kamen als Täter in Frage. Die ganze Affäre wurde im Laufe des Treffens offengelegt. Eine Frau nahm den Stock und sagte, dass so etwas früher im Verborgenen geschah, heute gehe man damit schamlos hausieren. Hätte Mama O. ihm aber Gift ins Essen getan, wären die Kinder auch vergiftet worden, es hatten schließlich alle zusammen gegessen. Die Autopsie hatte sie abgelehnt, erfuhr ich später zu Hause, als sie bereits von den Vermutungen wusste. Doch die Beerdigung war bereits vorbereitet, der Sarg da- und hätte sich herausgestellt, dass es tatsächlich Gift war, hätte sich der Staat eingeschaltet.
Dass bei diesem Treffen der Staat nicht anwesend ist wurde mehrfach betont. Ich hatte mich gewundert, wie man bei einem solchen Fall, ohne Spezialisten und mit bereits begrabenem Toten, die Wahrheit herausfinden und ein Urteil fällen will. Das erfuhr ich auf Umwege bereits vor dem Treffen: am Ende des Treffens stand Laana, ein Fluch.
Nach fünf Stunden wurde das Treffen für beendet erklärt. Einmal noch bekam Mama O. die Chance, vor der Versammlung um Vergebung zu bitten, sonst würde sie der Fluch treffen. Der Redner sagte, Christen sollen zurückbleiben, die Nichtchristen kämen mit zum Ort, an dem er ausgesprochen werden soll. Mama O. als Hauptverdächtige ging voraus, jene andere Frau und ihr Mann hinterher, alle anderen hinter ihnen. Blöderweise hatte ich mich schnell meinen christlichen Freunden angeschlossen, um mir alles erklären zu lassen, und bekam dadurch nicht mit, dass genauso viele schaulustige Christen mitgegangen sind und verpasste damit die einmalige Chance, einen solchen Fluch zu sehen. Was ich darüber weiß bekam ich also auch hinterher erzählt: die Leute gingen bis zu einem Art Graben nicht weit weg von hier, dort wurde ein Pfeil in die Erde gesteckt. Ein alter Barbaiq-Mann führte die Zeremonie an. Die Verdächtigen gingen daraufhin zum Pfeil, berührten ihn mit der einen Hand und bedeckten die Augen mit der anderen und sprachen, sinngemäß: sollten sie derjenige sein, der O. vergiftet hat, sollten sie selbst bis zum 12.2. – ein Monat nach seinem Tod – sterben, den Verstand verlieren oder den Mord gestehen. (Außerdem war da noch etwas mit der Maisernte, wofür mein Kiswahili aber nicht reichte.) Viele Leute sollen geweint haben. Dann war es vorbei.
Zu diesem Zeitpunkt also sprach ich mit Jamesi. Wie er davor gedacht hat, weiß ich nicht, aber nun sagte er, dass Mama O. es nicht gewesen sein kann. Denn sie sei hier aufgewachsen, sie kenne die Traditionen, sie habe die Möglichkeit bekommen, es zu gestehen und wisse, dass nach einem solchen Fluch nur der Tod kommt. Ich habe im Laufe der Tage keinen gefunden, der nicht an die Wirkung des Fluchs glaubt. Ein solches Treffen, sagten mir Gleichaltrige, hätten sie bisher nur ein mal in ihrem Leben erlebt; das ist eine andere Geschichte. Jamesi hatte mir gesagt, dass Christen nicht zu diesem Treffen gehen sollten- Maria selbst wollte erst mit den Pfarrern sprechen, bevor sie draußen geschlafen hätte, am Treffen selbst musste sie teilnehmen- weil das, was dort passiert, nichts mit Gott zu tun hat, sondern von wo anders herkommt. Eine ältere Kollegin erzählte, dass sie zwei Menschen gekannt habe, die von einem Fluch getroffen wurden, beide seien gestorben, wie es ihnen angekündigt wurde.
Ob die Familie O. an den Fluch glaubt habe ich nicht gefragt. Noch während die Gruppe zu dem Platz ging, zerstreuten sich die Menschen wieder in alle Richtungen. Das Volleyballnetz wurde aufgehängt, überall in der Ladenstraße standen Gruppen, die sich unterhielten, man fuhr mit dem Alltag fort.
Später ging ich wieder die Familie besuchen. Als ich kam, beteten sie gerade ein langes Gebet, Gäste waren da, die nach dem Gebet gingen. Kurze Zeit später kam Jonas mit einem Kartenspiel vorbei und spielte mit den Kindern bis zum späten Abend. Als wäre nie etwas gewesen, kam ein Nachbar, der am Abend vorher von der Schuld von Mama O. überzeugt gewesen war, vorbei und setzte sich zum Karten spielen dazu. Draußen im Hof saß ein anderer Nachbar, der mit am meisten gegen Mama O. gesprochen hatte, und trank Bier. Ich saß mit L. zusammen, wir redeten über alles mögliche, außer was an diesem Tag passiert war, bis ich um halb elf gehen musste.
Man sollte meinen, die Familie könne jetzt endlich in Ruhe gelassen werden. Aber immer noch gibt es Menschen, die weiterreden. Am Tag nach dem Treffen kam eine Gruppe von Nyiramba vorbei und wollte mit Mama O. reden, sie hätten da noch ein paar Punkte- da wurden nun auch die Nachbarn wütend, warum hatten sie das nicht schon beim Treffen am Tag zuvor gesagt. Wenige Tage später fand Mama O. eine Schlange bei sich im Hof. Als L. mir davon erzählte, habe ich mir nichts dabei gedacht, bis mich eine Kollegin am nächsten Tag aufgeregt bei Seite nahm, um mir davon zu erzählen: ihr sei so etwas einmal nach einem Todesfall passiert, die Alten sagen, auf diese Art kommt ein Verstorbener, um die Hinterbliebenen zu grüßen. Aber die Familie macht weiter, was bleibt ihnen auch anderes übrig. Jonas und ich kommen sie fast jeden Tag besuchen, wir spielen oft Karten, häufig treffe ich andere Gäste dort. Nach wie vor wird beim Teetrinken über den Fluch geredet, es kursieren Gerüchte, L. meidet das Volleyballfeld aus Angst vor Gerede. Ich frage mich, wie man es schafft, so etwas seinen Nachbarn und Freunden zu verzeihen.
Das nun war der Stand der Dinge vor eineinhalb Wochen. Seither bin ich auf Sansibar und erfahre alle Neuigkeiten im Detail am Montag. Eigentlich wollte ich wieder gar nicht mehr weg aus Mwanga. Mein Alltag hat sich verändert und neben allem, was passiert, ist es so schön, aufregend, in Bewegung wie nie zuvor. Nun will ich von hier nicht mehr weg, wie das mit Urlaub immer so ist...
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