Der Ablauf einer Untersuchung: Nachdem ich Gewicht und Blutdruck der Schwangeren auf ihrer Karte notiert habe, geht sie hinter einen Vorhang zur Krankenschwester. Mit einem Blick ins Auge wird Anämie getestet, die Beine werden auf Ödeme untersucht. Die Größe des Fötus wird mit einem Maßband vom meist im unteren Bauchbereich ertasteten Kopf bis zum ebenfalls erfühlten Ende gemessen. Liegt der verschoben, wird eine Gymnastikübung aufgegeben, die die Lage des Fötus nach einer Woche meist richtet. Dann wird der Bauch nach dem Herzschlag des Kindes abgehört, die Mutter gefragt, ob sich das Kind im Bauch bewegt, und die Mutter kann gehen.
Beim ersten Besuch in der Klinik gibt es nach der Untersuchung eine Tablette. Maria sagt, die ist gegen den Appetit der Frauen auf Schlamm, den sie während der Schwangerschaft häufig verspüren. (Korrektur von Anja: Sie kriegen Mebendazole als Prophylaxe gegen Würmer, die könnten nämlich auch dem Kind schaden. Und das mit dem "Schlamm" stimmt so nicht ganz. "Odongo" ist Lehm und enthält ganz viel Eisen - etwas, das die Frauen besonders in der Schwangerschaft brauchen (Eisen für die Produktion der roten roten Blutkörperchen, der Körper braucht ja während der Schwangerschaft auch mehr Blut), aber mit der Nahrung kaum aufnehmen. Deshalb essen sie Odongo, der allerdings auch noch Würmer enthalten können. Also: Mebendazole. Und sie kriegen (wenns vorrätig ist, was es bei mir eher selten war) Eisendragees, damit sie eben keinen Odongo essen müssen.) Theoretisch müssten die Frauen beim ersten mal gynäkologisch untersucht werden, aber normal wird es ihnen nur angeboten und das Angebot abgelehnt.
Bei Problemen während der Geburt wird die Frau ins Krankenhaus in Haidom gefahren. Eine Geburt im Krankenhaus wird bei riskanten Schwangerschaften generell empfohlen: bei Frauen unter 20 oder über 35, bei besonders kleinen Frauen oder besonders großen Babys, bei falscher Lage etc. Meistens entscheiden sich die Frauen trotzdem für eine Geburt in der Gesundheitsstation. Sie müssten selbst nach Haidom fahren, 30 km, entweder mit dem Fahrrad oder mit dem Bus, sagt Maria. Bei akuten Problemen gibt es einen Wagen zum Transport nach Haidom, der hinterher aber bezahlt werden muss, 17 Euro umgerechnet. Falls das Geld nicht gezahlt werden kann, muss die Station die Kosten übernehmen.
Zu den Kosten: Schwangere und Kinder bis 5 haben Anspruch auf kostenlose Behandlung, für Impfungen und Untersuchungen zahlen sie nichts. Untersuchungen im Labor bei Krankheit müssen bezahlt werden. Ein paar Beispiele: Urinprobe 25 ct, Blutprobe für Malariatest 25 ct, Stuhlprobe 50 ct, Test auf Salmonellen 1 €. Syphillis ist ein anderes Beispiel. Wird bei einer Schwangeren Syphillis festgestellt, gibt es normaler weise bereitgestellte Medikamente, die nur 30 ct kosten. Manchmal ist davon aber nicht genug vorhanden und das HC muss selbst die Medikamente kaufen, dann muss die Frau den vollen Preis zahlen.
Neulich hatte ich meinen erfolgreichsten Tag bisher. Ich war zum ersten mal alleine beim Empfang der Mütter und habe bis auf ein Geburtsdatum (mit ‚gestern‘ hatte ich nicht gerechnet) keine Hilfe gebraucht. Maria war im Untersuchungszimmer, ich habe die Impfungen gemacht. Zur Krönung des Ganzen habe ich während der Teepause so etwas wie Smalltalk mit Dr. Simon und einer Schwester halten können.
Ansonsten habe ich letztens, als unsere Laborassistentin krank war, eine Woche mit Schwester Clelia im Labor gearbeitet. Meine Aufgabe war wieder einmal, alles in irgendwelche Bücher zu schreiben. Aber so habe ich Malaria, sowie Trichomonas Vaginalis und andere (Bakterien-)Zellen unter dem Mikroskop sehen können und weiß nun, was ich mit Blut-, Stuhl- und Urinproben für welchen Test anfangen müsste. Da Schwester Clelia so viel Englisch spricht wie ich Swahili, war die Arbeit nicht allzu kommunikativ, aber trotzdem (oder gerade deshalb) eine angenehme Pause vom Moskitonetze verschreiben..
Am meisten Spaß macht die Arbeit aber in der Clinic mit Maria. Sie ruft mich zu den Untersuchungen, zeigt viel, erklärt viel, und das auf Englisch und ohne regelmäßige Vorwürfe, warum ich immer noch kein Swahili kann. Generell ist Maria ein Schatz. Sie beantwortete alle Fragen mit einer Engelsgeduld, hat für alles Verständnis, ist immer fröhlich und macht auch mal beim Seilspringen mit meinen Schwestern und mir im Hof mit.
Nach der Arbeit bleiben 6 Stunden Tageslicht fuer Freizeit und Hausarbeit, meistens ueberwiegt zweites. Mir fehlt eigentlich weder elektronische Unterhaltung noch eine Dusche, aber die Waschmaschine vermisse ich spaetestens, seit mir die Seife die Haut wegaetzt. ;)
Beste Gruesse,
Olga
Sonntag, 23. Oktober 2011
Sonntag, 2. Oktober 2011
Das neuste aus Mwanga
Ein kleiner Einblick in das Gesundheitswesen Tansanias:
Wenn eine Schwangere zu uns auf die Gesundheitsstation kommt, bekommt sie eine Karte, in die in Zukunft alle Untersuchungsergebnisse geschrieben werden. Hierzu wird sie unter anderem nach dem Namen, Beruf, Bildungsstand, Ehemann, Alter und Dorfoberhaupt gefragt. Dazu gibt es ein Rezept fuer ein Moskitonetz, das sie fuer umgerechnet 25 Cent abholen kann. Von da an kommt sie monatlich, erst zur eigenen Untersuchung, spaeter zu der des Kindes. Ein Kind bekommt einen Monat nach der Geburt eine Karte bzw. ein Blatt Papier, auf das in Zukunft Impfungen und Gewicht eingetragen werden. Auf den frueheren Karten ist dazu noch ein Diagramm, das aussagt, ob das Gewicht im Bezug auf Alter im normalen (gruenen) oder kritischen (grau und rot) liegt. Die Impfungen werden zusaetzlich in einem Buch protokolliert. Geimpft werden: 1x BCG (Tuberkulose), 3x Polio und DPT (Diphterie, Tetanus, Keuchhusten) und 1x Masern nach neun Monaten.
Morgens um acht treffen sich die Mitarbeiter zum gemeinsamen Beten, danach werden die Untersuchungsraeume gefegt und es kann losgehen. Meine Aufgabe ist nun vor allem: Protokollieren. Moskitonetzrezepte schreiben, Moskitonetze ins Buch eintragen, Impfungen zaehlen und eintragen, Karten fuer Frauen und Kinder schreiben, Kinder registrieren, ausserdem Gewicht der Frauen und Kinder aufschreiben und Blutdruck der Schwangeren messen. Wenn dann mal, wie am BCG-Impftag Dienstag, der Warteraum voll ist, nimmt das Protokollieren kein Ende mehr. Zusaetzlich wird vieles auf einer Liste gezaehlt: Anzahl der Kinder aus Mwanga unter und ueber einem Jahr, Anzahl der Kinder aus umliegenden Doerfern, Anzahl der einzelnen Impfungen, der Kinder mit einem Gewicht im grauen Bereich und denen im Roten. Fuer ein Moskitonetz muss eine Frau im Buch unterschreiben, das Rezept erhalten zu haben; falls sie nicht schreiben kann, wird ein Daumenabdruck genommen. Die Kinder haben alle eine eigene genaehte Hose, in der sie auf eine Waage gehaengt werden. Am Donnerstag wurde mir gezeigt, wie man impft: Polio als Schluckimpfung, Tetanus und DPT als Spritze (die direkt danach entsorgt wird). Allerdings gibt es so viel an Schreibarbeit, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine meiner Aufgaben werden wird. Um eins schliesst die Clinik und damit endet meine Schicht, ab da sind nur noch eine Schwester und ein Arzt auf Bereitschaft im Haus.
Es gibt hier im Monat nicht unter 25 Geburten, sagte eine Schwester. Die erste habe ich am Dienstag gesehen.
Die Gesundheitsstation hat ausserdem fliessendes Wasser durch die Energie einer Windmuehle, im Labor fuer Blut- und Urintests Strom durch Solarzellen und ein Auto, das die Schwangere bei Geburtskomplikationen ins 30 km entfernte Krankenhaus von Haidom fahren kann. Dieser Wagen kann (wie heute) auch mal zum Taxi umfunktioniert werden und Mitarbeiter und deren Freunde nach Haidom mitnehmen...
Bilanz nach einer Woche: Wenn man das ganze Buchsystem verstanden hat ist alles nicht so schwer. Die einzige Herausforderung bleibt die Sprache, in der Freizeit noch mehr als bei der Arbeit. Ich frage mich, wie ich von den paar Vokabeln, die ich am Tag lerne, einmal Swahili sprechen koennen will. Meine Gasteltern und die meisten Schwestern sprechen Englisch, was alles fuer den Anfang ziemlich erleichtert, aber zu nicht Swahili sprechenden Menschen ist der Kontakt bisher fast unmoeglich.
Das ist aber auch das einzige Problem hier, alles andere laeuft so gut, wie ich es nie erwartet haette. Meine Gastfamilie ist grossartig. Ich habe ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch, eine eigene Oellampe fuer den Abend und die besten Gastschwestern- und Cousinen, die es gibt. Spielen ist wahrscheinlich das einzige, das ohne Sprache noch mehr Spass macht, und Tanzen bei Radiomusik ist die beste Unterhaltung. Mein Wecker ist unser Haushahn, der ab halb sechs morgens im Minutentakt kraeht. Was Tiere betrifft hat Jonas aber die interessanteren Geschichten zu erzaehlen: bei ihm gibt es fast jeden Abend Alarm wegen fremden Hunden oder Hyaenen auf dem Grundstueck, er hat durch die Herde seiner Gastfamilie regelmaessig zerlegte Kuehe vor dem Fenster und vorgestern fand er neben dem Wassertank seiner Familie eine Giftschlange, die daraufhin wohl ziemlich eindrucksvoll getoetet wurde.
Ansonsten beginnt hier gerade, einen Monat zu frueh, die Regenzeit. Die ersten Akazienknospen spriessen, Mt. Hanna liegt jeden Morgen eindrucksvoll in den Wolken, es summen die ersten Muecken um das Mosiktonetz und bald werden manche Strassen unpassierbar. Aber eigentlich bin ich auch nur wegen den Berichten fuer Kolping im Netz, auf die sich alle zukuenftigen Weltwaertsler freuen duerfen.
Zuletzt: Kennt jemand Klatschspiele wie "Die Schule hat gebrannt-brannt-brannt" oder aehnliches? Bitte um Emails. :)
Guten Tag, habari za mchana und lawo tlatlaang,
Olga
Wenn eine Schwangere zu uns auf die Gesundheitsstation kommt, bekommt sie eine Karte, in die in Zukunft alle Untersuchungsergebnisse geschrieben werden. Hierzu wird sie unter anderem nach dem Namen, Beruf, Bildungsstand, Ehemann, Alter und Dorfoberhaupt gefragt. Dazu gibt es ein Rezept fuer ein Moskitonetz, das sie fuer umgerechnet 25 Cent abholen kann. Von da an kommt sie monatlich, erst zur eigenen Untersuchung, spaeter zu der des Kindes. Ein Kind bekommt einen Monat nach der Geburt eine Karte bzw. ein Blatt Papier, auf das in Zukunft Impfungen und Gewicht eingetragen werden. Auf den frueheren Karten ist dazu noch ein Diagramm, das aussagt, ob das Gewicht im Bezug auf Alter im normalen (gruenen) oder kritischen (grau und rot) liegt. Die Impfungen werden zusaetzlich in einem Buch protokolliert. Geimpft werden: 1x BCG (Tuberkulose), 3x Polio und DPT (Diphterie, Tetanus, Keuchhusten) und 1x Masern nach neun Monaten.
Morgens um acht treffen sich die Mitarbeiter zum gemeinsamen Beten, danach werden die Untersuchungsraeume gefegt und es kann losgehen. Meine Aufgabe ist nun vor allem: Protokollieren. Moskitonetzrezepte schreiben, Moskitonetze ins Buch eintragen, Impfungen zaehlen und eintragen, Karten fuer Frauen und Kinder schreiben, Kinder registrieren, ausserdem Gewicht der Frauen und Kinder aufschreiben und Blutdruck der Schwangeren messen. Wenn dann mal, wie am BCG-Impftag Dienstag, der Warteraum voll ist, nimmt das Protokollieren kein Ende mehr. Zusaetzlich wird vieles auf einer Liste gezaehlt: Anzahl der Kinder aus Mwanga unter und ueber einem Jahr, Anzahl der Kinder aus umliegenden Doerfern, Anzahl der einzelnen Impfungen, der Kinder mit einem Gewicht im grauen Bereich und denen im Roten. Fuer ein Moskitonetz muss eine Frau im Buch unterschreiben, das Rezept erhalten zu haben; falls sie nicht schreiben kann, wird ein Daumenabdruck genommen. Die Kinder haben alle eine eigene genaehte Hose, in der sie auf eine Waage gehaengt werden. Am Donnerstag wurde mir gezeigt, wie man impft: Polio als Schluckimpfung, Tetanus und DPT als Spritze (die direkt danach entsorgt wird). Allerdings gibt es so viel an Schreibarbeit, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass das eine meiner Aufgaben werden wird. Um eins schliesst die Clinik und damit endet meine Schicht, ab da sind nur noch eine Schwester und ein Arzt auf Bereitschaft im Haus.
Es gibt hier im Monat nicht unter 25 Geburten, sagte eine Schwester. Die erste habe ich am Dienstag gesehen.
Die Gesundheitsstation hat ausserdem fliessendes Wasser durch die Energie einer Windmuehle, im Labor fuer Blut- und Urintests Strom durch Solarzellen und ein Auto, das die Schwangere bei Geburtskomplikationen ins 30 km entfernte Krankenhaus von Haidom fahren kann. Dieser Wagen kann (wie heute) auch mal zum Taxi umfunktioniert werden und Mitarbeiter und deren Freunde nach Haidom mitnehmen...
Bilanz nach einer Woche: Wenn man das ganze Buchsystem verstanden hat ist alles nicht so schwer. Die einzige Herausforderung bleibt die Sprache, in der Freizeit noch mehr als bei der Arbeit. Ich frage mich, wie ich von den paar Vokabeln, die ich am Tag lerne, einmal Swahili sprechen koennen will. Meine Gasteltern und die meisten Schwestern sprechen Englisch, was alles fuer den Anfang ziemlich erleichtert, aber zu nicht Swahili sprechenden Menschen ist der Kontakt bisher fast unmoeglich.
Das ist aber auch das einzige Problem hier, alles andere laeuft so gut, wie ich es nie erwartet haette. Meine Gastfamilie ist grossartig. Ich habe ein eigenes Zimmer mit Schreibtisch, eine eigene Oellampe fuer den Abend und die besten Gastschwestern- und Cousinen, die es gibt. Spielen ist wahrscheinlich das einzige, das ohne Sprache noch mehr Spass macht, und Tanzen bei Radiomusik ist die beste Unterhaltung. Mein Wecker ist unser Haushahn, der ab halb sechs morgens im Minutentakt kraeht. Was Tiere betrifft hat Jonas aber die interessanteren Geschichten zu erzaehlen: bei ihm gibt es fast jeden Abend Alarm wegen fremden Hunden oder Hyaenen auf dem Grundstueck, er hat durch die Herde seiner Gastfamilie regelmaessig zerlegte Kuehe vor dem Fenster und vorgestern fand er neben dem Wassertank seiner Familie eine Giftschlange, die daraufhin wohl ziemlich eindrucksvoll getoetet wurde.
Ansonsten beginnt hier gerade, einen Monat zu frueh, die Regenzeit. Die ersten Akazienknospen spriessen, Mt. Hanna liegt jeden Morgen eindrucksvoll in den Wolken, es summen die ersten Muecken um das Mosiktonetz und bald werden manche Strassen unpassierbar. Aber eigentlich bin ich auch nur wegen den Berichten fuer Kolping im Netz, auf die sich alle zukuenftigen Weltwaertsler freuen duerfen.
Zuletzt: Kennt jemand Klatschspiele wie "Die Schule hat gebrannt-brannt-brannt" oder aehnliches? Bitte um Emails. :)
Guten Tag, habari za mchana und lawo tlatlaang,
Olga
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