Heute geht es fuer einen Wochenendausflug nach Kartesh, den Hanang besteigen. Das nehme ich mal zum Anlass fuer eine kleine Zusammenfassung meiner Reiseerfahrungen nach neun Monaten, drei groesseren und etlichen kleinen Reisen in und aus Mwanga:
Füße (Miguu)
Sind tagsüber für Stecken bis zu etwa 5 km, wenn der Bus verpasst wurde auch bis zu 20 km, die bevorzugte Fortbewegungsart. Auf dem Land ist auf passendes Schuhwerk zu achten, da manche Dornen auf dem Boden auch Turnschuhe durchbohren können und man nach Regen unter Umständen durch kleine Flüsse oder knöchelhohen Schlamm waten muss – zu empfehlen sind daher Autoreifenschuhe (auf jedem Markt für umgerechnet 1,50 € zu kaufen). Will man abends noch zu einem Spaziergang aufbrechen, sollte man darauf achten, dass mindestens Halbmond und der Himmel klar ist, wenn man den Weg nicht bereits so oft gelaufen ist, dass man ihn auch mit geschlossenen Augen findet. In Städten sollte man sich zuvor Empfehlungen von Einwohnern anhören; so erfährt man zum Beispiel in Karatu, dass man nach 11 Uhr abends von der Polizei aufgegriffen werden kann, wenn man noch auf der Straße ist (ob man dann auch darauf hört ist etwas anderes).
Fahrrad (Basikeli)
Da fast niemand ein Auto besitzt fahren umso mehr Menschen Fahrrad, und wenn in einer Gegend fast keine Busse fahren, fährt man damit auch schon mal zum Einkaufen oder zur Arbeit 25 km in die Stadt und wieder zurück. Auch oft zum Wasser holen verwendet, indem zwei zusammengebundene Wasserkanister über den Gepäckträger gespannt werden. Bin ich selbst nie gefahren, habe mir aber sagen lassen, dass bei regelmäßigem Gebrauch etwa einmal wöchentlich ein Reifen geflickt werden muss. Sind in der Stadt kaum anzutreffen.
Kuhwagen (Trela)
Von 2-4 Kühen oder Eseln gezogen; wird von denen, die einen haben, zum Wasser oder Holz holen oder für Feldarbeit verwendet und von anderen bei selber Reiserichtung mitbenutzt (um einen „lifti“ bitten). Kann schon mal schneller sein als ein Bus, wenn dieser auf der Straße liegen bleibt, und hat von allen Fortbewegungsarten den größten Spaßfaktor. Sieht man in der Stadt eher selten.
Motorrad (Pikipiki bzw. Bodaboda)
Motorradtaxis sind die günstige Alternative zu Autotaxis und die bequemere zu langen Fußmärschen mit Gepäck, gerade wenn man in einer neuen Stadt ankommt und den Weg nicht kennt. Eine Fahrt ist aber nichts für schwache Nerven. Der Zustand der Fahrzeuge ist mehr als reparaturbedürftig; mit Glück erwischt man eine Maschine, bei der nur der Tacho nicht funktioniert, mit Pech sind es die Bremsen. Einen Helm für die Fahrt gibt es nicht, und so düst man über Erdstraßen voller Schlaglöcher und Steine, durch Kuhherden hindurch und bei Regen vor allem durch Regenflüsse und Schlamm. In der Stadt ist das Ganze zu Hauptverkehrszeiten noch lustiger, wenn man sich millimeterdicht an Autos durch den Stau manövriert und der Fahrer prinzipiell davon ausgeht, dass Ampeln nur für Autos gelten. Ist man an einem Ort häufiger auf Pikipikis angewiesen, empfiehlt es sich, sich die Nummer des Fahrers seines Vertrauens aufzuschreiben und ihn bei Bedarf anzurufen; damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, einmal einen zugedröhnten Fahrer zu erwischen. Wenn man von all dem aber absieht- macht Pikipiki fahren einfach nur Spaß!
Auto (Gari) bzw. Taxi (Teksi)
Ein Auto haben die wenigsten, und die, die eins haben, gebrauchen es sparsam, da Sprit teuer ist. Taxis gibt es auf dem Land nicht, man kann höchstens mit Glück an der Straße einen Lifti auf einem Lastwagen erwischen; wenn man ein Auto trifft ist es vermutlich das der Pfarrer. In der Stadt sind Taxis bei viel Gepäck notwendig und nachts empfehlenswert, wenn man Angst vor einem Raubüberfall hat. In jedem Fall sollte man sich erstens davor über den gebräuchlichen Preis informieren, zweitens sich möglichst schon vor der Fahrt über den Preis einig werden, sich drittens darauf einstellen zu handeln und zu streiten, dass die Fetzen fliegen und viertens nicht vergessen, den Fahrer am Ende trotzdem freundlich und mit einem Lachen zu verabschieden.
Bajaja (Kenia: Trotro)
Bajajas sind eine dreirädrige Symbiose aus Roller und Auto mit Plastikplane als Wände und Dach. Sie sind billiger und flexibler als Taxis und können mehr Gepäck und Menschen transportieren als ein Pikipiki, außerdem kann man sich als Weißer vor potentiellen Räubern verstecken. Gibt es nicht in jeder Stadt und bin ich auch nur in Kenia gefahren, da sich fast immer ein Pikipiki empfiehlt, wenn man allein unterwegs ist.
Daladala (Kenia: matatu)
Daladalas sind Kleinbusse für 15-20 Leute, die bei Bedarf aber phänomenal viele Menschen aufnehmen können, solange sich die Tür noch irgendwie schließen lässt. Sie sind der öffentliche Nahverkehr in Städten und um diese herum. Eine Fahrt kostet etwa 20 ct, es gibt feste Strecken und mehr oder weniger feste Haltestellen, die für Fremde aber als solche nicht erkenntlich sind. Abfahrtszeiten oder gar Fahrpläne gibt es nicht, die meisten DDs fahren alle paar Minuten in eine Richtung, andere für weiter entfernte Ziele nur ein paar mal am Tag. Wenn man an einem DD-Busbahnhof ankommt ist darum meistens die einzige Möglichkeit, den richtigen Wagen zu finden, sich herumfragen. Auf vielen DDs steht das Endziel bzw. die Richtung zwar auf dem Wagen, aber darauf sollte man sich nicht verlassen, gerade wenn das Endziel nicht das eigene Ziel ist. Im Normalfall wird man aber gleich jemanden finden, der einem weiterhelfen kann und einen persönlich auch bis zum anderen Ende des Bahnhofs begleitet und in den richtigen Wagen setzt, ohne etwas dafür zu wollen. Dann aber sicherheitshalber trotzdem noch einen zweiten fragen, ob man hier tatsächlich richtig ist, oder ob es nicht einen anderen ähnlich klingenden Ort gibt.
Cruiser
Sind ebenfalls Kleinbusse, aber mit vorgegebenen Sitzplätzen und meist in technisch besserem Zustand, und werden für beliebte, längere Stecken von Stadt zu Stadt verwendet. Eine Cruiserfahrt ist ein bisschen teurer als die selbe Strecke mit dem Bus, aber zuverlässiger und vor allem schneller, da hier meist pünktlich und in einem Zug durchgefahren wird, ohne in den Dörfern zu halten. Der Komfort lässt zu wünschen übrig, da in eine Sitzreihe eine Person mehr eingeplant wird, als es bequem wäre. Bleibt nur zu hoffen, dass der Fahrer sich beim Überholen nicht überschätzt und im Schlamm stecken bleibt, sodass man schließlich den Bus an einem vorbeifahren sieht, während die Männer versuchen, den Wagen zu befreien…
Bus (Basi) – Kurzstrecken
Kurzstrecke meint hier eine Fahrtzeit von bis zu etwa 6 Stunden zwischen weniger großen Städten, wobei überwiegend oder ausschließlich auf Erdstraßen und damit durch Dörfer, Felder und Wildnis gefahren wird. Die Busse sind von der Form her einmal Reisebusse gewesen, bis sie zerlegt und aus Ersatzteilen neu zusammengebaut worden sind; die Pexiglasfenster haben Sprünge oder fehlen ganz, die Sitze sind hundert mal gerissen und fünfzig mal geflickt worden und manchmal findet man ein Loch im Boden, durch das man die vorbeiziehende Erde sehen kann – aber sie fahren. Sie fahren ein bis paar mal am Tag und Abfahrtszeiten sind fest, richten sich aber nach Fahrgastanzahl, so dass auch 45 Min zu spät oder 10 Min zu früh abgefahren werden kann. Die Fahrgastanzahl dagegen ist unbegrenzt, und das ist wörtlich zu nehmen: an einem Markttag war der Bus so vol, dass Jonas während der Fahrt auf den Füßen eines anderen stand und ich mit halbem Körper aus der offenen Tür hing. Hinzu kommt das Gepäck der Passagiere, da diese Busse oft der einzige Weg sind, Verkaufsgut wie Reissäcke, Sodakisten oder einen Bund zusammengebundener lebender Hühner zu transportieren – all das findet Platz auf dem Dach oder im Gang, was das Durchqueren schon zu einem Abenteuer macht. Steigt man auf halbem Weg zu gibt es Richtuhrzeiten, zu denen der Bus für gewöhnlich vorbeifährt. Wenn man ankommen will sollte man pünktlich sein. In 9 von 10 Fällen wird man der erste an der Haltestelle sein und 0.5-2 Stunden auf den Bus warten, aber der Tag, an dem man selbst ein paar Minuten später kommt wird der sein, an dem der Bus schon vor einer halben Stunde vorbeigefahren ist. Manchmal kommt er auch gar nicht, weil er auf der Fahrt kaputt gegangen ist. Wenn man dabei gerade selbst im Bus sitzt kann man aussteigen, an einem nahegelegenen Kiosk eine Soda trinken und zusehen, wie die Busarbeiter diverse Wagenteile aus- und andere Teile einbauen, und seien es auch Äste vom Baum am Wegesrand. Wenn auch das nicht hilft kommt nach ein paar Stunden vielleicht ein Ersatzbus, der einen doch noch ans Ziel bringt. Wenn nicht, dann blöd gelaufen.
Bus – Langstrecken
Das sind die Busse, die auf den asphaltierte Straßen meist ab früh morgens von Großstadt zu Großstadt fahren. Es sind Reisebusse in gutem Zustand, jeder bekommt einen Sitzplatz zugeteilt und manchmal gibt es im Bus sogar einen Fernseher und gratis Soda und Kekse. An guten Tagen sitzt man dann bequem am Fenster, hat einen netten Sitznachbarn für Gespräche, lässt die atemberaubende Landschaft an sich vorbeiziehen, während der warme zugwind einem ins Gesicht weht und kauft von Zeit an den Zwischenstationen Obst, Chips oder Getränke von den herbeieilenden Verkäufern durch das Fenster durch. Mit Mangos, Cashewnüssen, Maiskolben oder Avocadosaft lässt sich die 10-stündige Fahrt dann noch besser genießen. An einem schlechten Tag wurde man trotz gutem Kiswahili wieder einmal beim Preis reingelegt, man verlässt nach einiger Zeit plötzlich die Asphaltstraße, es fängt an zu regnen, man kämpft sich durch den Schlamm und bleibt schließlich mitten im Nirgendwo doch in diesem Stecken, so dass aus 9 Stunden Fahrt doch 14 Stunden werden (es könnte daran liegen, dass man statt nach Dar es Salaam nach Kigoma unterwegs ist…) Die Busse sind jedenfalls die einzige Reisemöglichkeit für lange Strecken, wenn man sich nicht gerade ein Flugicket leisten kann.
Schiff (Meli) bzw. Boot (Boti)
Schiffe fahren auf dem Viktoriasee, Tanganikasee, Malawisee und am Ozean, mit drei Arten bin ich gefahren. Von Kigoma (-> Tanganikasee) zum Gombe Nationalpark kamen wir mit einem Wassertaxi, ein großes Motorboot, das zwei mal am Tag in diese Richtung vollgeladen mit Fracht und Menschen den Hafen verlässt und an der Küste entlang an diversen Fischerdörfern hält. Nach Gombe sind es zwei Stunden Fahrt, in der man Zeit hat, mit seinen Nachbarn Kekse und Ananas zu tauschen, während die Sonne knallt und man sich nur mit einem nassen Tuch abkühlen kann. In Mwanza (-> Victoriasee) fährt mehrmals täglich eine Fähre zwischen der Stadt und der Straße nach Geita, die vor allem LKWs, Busse und Dalladallas transportiert. Wenn man mit dem Bus kommt steigt man aus, kauft sich ein Fährenticket (20 ct) und verbringt die halbstündige Fahrt auf den Bänken an der Reling an der frischen Luft. Bei der Ankunft sollte man sich beeilen, erstens schnell und zweitens in den richtigen Bus zur Weiterfahrt zu steigen. Von Dar es Salaam aus (-> Ozean) sind es Schiffe, die einen nach Sansibar bringen. Jedes hat seinen eigenen Namen und Einwohner haben ihre Lieblingsschiffe, um an das jeweilige Ufer zu kommen. Tagsüber dauert die Fahrt 2-4 Stunden. Drinnen gibt es eine Klimaanlage, viele Sitzplätze und Getränke und Essen zu kaufen, draußen im obersten Stockwerk kann man den Ozean angucken, bis man seekrank wird, und sich dann auf den Boden zu den anderen Fahrgästen in den Schatten schlafen legen. Ein Schiff gibt es, das nachts beide Häfen verlässt und am nächsten Morgen am anderen ankommt. Man spart sich eine Nacht im Gästehaus und schläft drinnen im Kühlen auf den Sitzen oder draußen in der nächtlichen Tropenhitze zwischen anderen Reisenden auf einer Decke auf dem Boden. Nicht vergessen, die Schuhe dabei unter der Decke zu verstecken, sonst darf man am Morgen barfuß weiterreisen (wenn man nicht noch seine Duschflipflops im Gepäck hat).
Zug (Treni)
Fährt von Dar über Dodoma und Tabora bis Kigoma, ist über hundert Jahre alt und bin ich nie gefahren, habe mir aber sagen lassen, dass es unzuverlässig, langsam und voll ist. War früher, als es noch nicht so viele Busse gab, auf dieser West-Ost-Strecke das gängige Reisemittel für Tansanis. Für den Zug als Reisemittel spricht nur der günstigere Preis im Vergleich zu Bussen auf der selben Strecke, für eine Reiseerfahrung lohnt sich die Fahrt bestimmt, wenn man 1, 2 Tage Puffer einplanen kann.
Flugzeug (Ndege)
Einen Flughafen gibt es glaube ich in jeder größeren Stadt, ein Flugticket können sich aber weder Tansanis noch Freiwillige leisten. Vom Reisespaß, den man verpasst, ganz zu schweigen.
Класс ! Очень интересно ! Спасибо !
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