Montag, 11. Juni 2012

Geschichten aus der Klinik

Ich arbeite im „St. Agnes Health Centre Mwanga“. Ein Health Center (Kituo cha Afya) ist größer als eine Dispensary (Zahanati) und kleiner als ein Krankenhaus (Hospitali). Was das St. Agnes zu einem HC macht ist das dieses Jahr fertig gestellte Spital mit zwei Schlafsälen mit jeweils etwa 15 Betten, inklusive Toiletten, Licht und fließendem Wasser. Darüber hinaus gibt es ein Labor, die „Klinik“ für Schwangere und Kinder inklusive Impfungen, den Entbindungsraum, die OPD für Spritzen jeder anderen Art, ein Arztzimmer und die Apotheke. Lasst uns ein paar der Räume mal genauer ansehen:

Im Spital haben wir zwar viele Betten, aber meistens sind nur ein bis fünf davon belegt, die Patienten sind häufig Kinder und noch häufiger haben sie Malaria. Malaria, nur so nebenbei, kann den Patienten wirklich flach legen, aber mit Malariamedikamenten- die auch schon beim geringsten Anzeichen verschrieben werden wie Bonbons- ist man nach drei Tagen wieder fit auf den Beinen. Für größere Leiden gehen die Leute meist entweder gleich ins Krankenhaus oder werden von uns dort hingebracht. Aber manchmal bleiben sie doch. So hatten wir vor kurzem eine erwachsene Frau mit Masern. Sie hatte (hab ich mir sagen lassen) den Ausschlag und eine Wunde im Rachen, nach fünf Tagen war sie gesund und ging nach Hause. Zur etwa selben Zeit kam ein Mann mit AIDS im fortgeschrittenen Stadium- mager, mit Ausschlag und geistig verwirrt- aber das Problem, wegen dem er kam- er konnte nicht schlucken- konnte behandelt werden. Der für alle interessanteste Fall bisher aber war ein Mann, der mitten in der Nacht, gemeinsam mit vielen lärmenden Leuten, eingeliefert wurde: als er nachts im Ziegenstall Unruhen hörte wollte er nachsehen und wurde dabei vom Unruhestifter, einer Hyäne, in die Hand gebissen. Im Laufe des Tages kamen viele Schaulustige, um ihm ihr Mitleid („Pole“) auszudrücken- sein größeres Problem war zunächst, dass er so von der Hyäne gezogen wurde, dass er mit dem Kopf gegen etwas stieß und sich noch bis zum Mittag an nichts erinnern konnte- aber einen Tag später war er auch wieder entlassen. Blieben nur noch die Tollwutimpfungen im Krankenhaus.

Neben den Impfungen für die Kinder gibt es in der Klinik noch die prophylaktische Tetanusimpfung für schwangere Frauen, die keinen Nachweis über vergangene Impfungen haben, sowie alle, die mit einer größeren Wunde ins HC kommen. Meistens sind es Fahrad- oder Motorradunfälle, aber im Smalltalk über die Ursache der Wunde kommt man manchmal auch zu interessanten Geschichten. Ein Mann erzaehlte mal, er wurde von einer Schlange gebissen, einer richtig Großen, als er aus einem Wagen stieg. Ein anderer Mann wurde auch gebissen, aber anders: man weiß nicht, ob im Suff oder im Streit, aber er hatte wohl einen Nachbarn verärgert, und dieser hatte ihm- die halbe Nase abgebissen! Ich sah ihn erst, als er nach einem Monat zur zweiten Impfung kam, er versuchte, das Loch mit der Hand zu verdecken. Die Geschichte bekam ich von meiner Kollegin, die ihn an jenem Tag verbunden hatte. Sie sagte, jener Nachbar wird wohl nun nach Iraqw-Tradition zwei Kühe Schadensersatz zahlen. Aber was nützt das jetzt noch, die Nase ist weg.

Der spannendste Raum ist mit Abstand der Entbindungsraum. Kinder werden dort täglich geboren. Manchmal nur ein oder zwei an einem Tag, zu Ostern kamen gleich fünf Kinder in einer Nacht. Ich war am Anfang fassungslos, wie selbstverständlich dort mit den gebaehrenden Frauen umgegangen wird; die Schwestern gehen ein und aus, manchmal wird nebenher Boden gewischt, wenn der Kopf bereits herausguckt, oder die Tür wird offen in den Gang stehen gelassen. Aber nach zwei, drei mit angesehenen Geburten hab ich mich selbst daran gewöhnt- die Muetter selbst kennen es ja auch nicht anders. Hier werden wahnsinnig viele Kinder geboren, und die allermeisten Geburten verlaufen problemlos. Viele Frauen haben eine unglaubliche Selbstdisziplin und zeigen kaum etwas von den Schmerzen, sie werden routiniert angeleitet, richtig zu pressen und zu atmen, und dann geht alles auf einmal ganz schnell und wenige Minuten später haben sie ihr Kind- das erste, zweite, fünfte oder achte- an der Brust. Bei falscher Lage des Kindes, einem besonders großen Baby oder anderen Regelabweichungen werden die Mütter ins Krankenhaus gebracht- oder sie fahren, wenn sie es noch können, für weit weniger Geld mit dem Bus. Erst vor kurzem wurde ein Freund bei einer Busfahrt Zeuge einer Geburt im Bus- er erzaehlte, die Frau wurde so gut es ging mit Tuechern abgeschirmt, und das naechste was er sah war das neugeborene Baby... Aber manchmal geht eben doch etwas schief. An einem Abend rief mich Mama Ingi in die Klinik, eine Frau hatte eine Fehlgeburt. Weil das Licht nicht reichte hielt ich die Taschenlampe, damit der Arzt bei der Arbeit etwas sehen konnte. Wenige Tage später kam eine andere Frau blutend ins Ärztezimmer, das ganze wiederholte sich (diesmal bei Tageslicht)- woran es gelegen hat versuchte man hinterher herauszufinden. Die häufigste Ursache sind Syphilis oder Malaria, oder schwere Hausarbeit- die ja oft doch bis zum Schluss die Arbeit der Frauen bleibt. Ein anderes mal wurde eine Frau mit ihrem Kind mit dem Krankenwagen gebracht. Das Baby wurde hektisch auf den Tisch gelegt und noch versucht zu beatmen, aber es war bereits tot. Die Mutter wollte zu Hause entbinden, aber das Baby kam mit den Füßen zuerst und ist erstickt. Eine andere Frau kam vor kurzem mit Zwillingen im Bauch in die Klinik. Mama Ingi kam spät abends nach Hause und erzählte, dass der eine gesund sei, aber der andere tot geboren wurde; wir sind zusammen ins HC und sie hat es mir gezeigt. Die Knochen waren unnatürlich weich und der Kopf nach innen eingedrückt, und es war vermutlich schon vor zwei Tagen gestorben. Was das gewesen war konnte sie mir auch später nicht sagen…

Aber da ich die mit Abstand meiste Zeit in der „Klinik“ verbringe bekomme ich da natürlich auch das meiste mit. Ich habe neulich mal ein bisschen mit unseren Zählergebnissen (September – April) herumgerechnet und ein paar Statistiken aufgestellt: im Monat wiegen wir im Schnitt 531 Kinder im HC, das sind 31 Kinder pro Tag. Hinzu kommen die Kinder in Kidarafa- der eine Outreach-Kliniktag im Monat macht 29% aller gezählten Kinder. Im April hatten wir die meisten Kinder (874), im Dezember die wenigsten (640). Pro Monat werden 73 neue Kinder und 78 neue Schwangerschaften registriert. 4% aller gewogenen Kinder haben 60-80% des erwünschten Gewichts, knapp 1% liegt unter 60%. 12 Schwangere kommen pro Tag zur monatlichen Untersuchung, 12% sind jünger als 20, 32% haben schon vier oder mehr Schwangerschaften hinter sich. Ohne Zahlen kann man zusammenfassend sagen: die Frauen werden häufig und jung schwanger, es gibt viele Kinder, und die allermeisten Kinder sind normal, gesund und entwickeln sich gut. Aber es sind natürlich die Ausnahmen, die einem in Erinnerung bleiben, so wie die größte Schwangere, die ich gemessen hab (1,90m) und die kleinste (1,45), die älteste (45) und die jüngste (16). Ein anderes Mädchen war 17 und schon zum zweiten mal schwanger. Letztes Jahr kam eine 19-jährige, die gerade 38 Kilo auf die Waage brachte; mittlerweile kommt sie mit ihrem gesunden Sohn monatlich zur Untersuchung. Von den wenigsten erfahre ich mehr als das, was auf der Karte eingetragen wird. Warum zwei von fünf geborenen Kindern gestorben sind, warum manche während der ganzen Schwangerschaft keinen Kilo zunehmen. Wenn Kinder in einem Monat nicht zunehmen fragen wir, woran das liegt. Oft sind sie krank, heißt es, manchmal verweigern sie noch feste Nahrung. Und manchmal frage ich Mama Ingi nach den Leuten und bekomme den Hintergrund dazu.
Eines Tages kam eine Gruppe von fünf Kindern und einem Hund in die Klinik. Das älteste Mädchen war vielleicht 8 und trug das jüngste auf dem Rücken. Es wurde gewogen, die Waage zeigte fünfeinhalb Kilo- das Kind war eineinhalb Jahre alt! Ich rief die Krankenschwester und die sagte, das seien Waisen. Die Mutter sei bei der Geburt des letzten gestorben. Und so band sich das Mädchen das Kind wieder auf den Rücken und die Gruppe ging. Zu Hause erzählte Mama Ingi weiter: die Mutter hat zu Hause entbunden, es gab Komplikationen, und bis der Wagen des HC da war war sie bereits verblutet. Die Kinder kamen erst ins Krankenhaus nach Haidom und dort fand sich eine Europäerin, die das Baby adoptieren wollte, aber die Großmutter war dagegen. So blieben alle in der Familie. Der Vater trinkt, vermutlich kümmern sich alle Verwandte ein bisschen um die Kinder, aber niemand so richtig. Auf der Karte des Kindes war jeden Monat das Gewicht eingetragen, es war seit seiner Geburt im roten <60%-Bereich. Aber seither hab ich es nicht wieder in der Klinik gesehen.
Eine andere Mutter hatte ich bereits öfter mit ihrem juengsten Kind gesehen, an einem Tag kam sie schliesslich mit allen ihren fuenf Kindern und dem sechsten im Bauch in die Klinik. Das Kind hat eine ausgepraegte Lippenspalte, ich hatte so lange gedacht, das sei mal ein Unfall gewesen, bis ich sah, dass zwei seiner Geschwister die selbe Spalte haben und Mama Ingi es mir erklaerte. Die Mutter selbst hat eine Gaumenspalte und kann darum nicht richtig sprechen. Nun wog sie also alle ihre Kinder, und alle Kinder hatten ein Gewicht im grauen Bereich. Das Problem ist das altbekannte. Der Vater trinkt, die Arbeit mit Haus, Feldern und Kindern bleibt bei der Mutter. Sie verkauft ein bisschen Feuerholz, um etwas Geld zu bekommen. Und nun ist ein neues Kind unterwegs- viele Wairaqw haben sich noch nicht an Schwangerschaftsverhuetung gewoehnt, sagt Mama Ingi, ganz besonders auf dem Land. Sie finden, es sei leichter, ein Kind zu kriegen als zu verhueten. Das Problem mit der Lippen-Gaumenspalte bei den Kindern kommt noch zusaetzlich dazu. Die Operation, um den Fehler zu richten, ist simpel, ins Krankenhaus nach Haidom kommen regelmaessig Flying Doctors, die das durchfuehren- aber Geld fuer die Operation haben sie nicht...

Es gibt noch viel mehr, was ich am Rande mitbekomme, wovon man mir erzaehlt, oder was man mir nicht erzaehlt, oder was hier im Detail zu schreiben unangebracht waere. Stoff fuer Fortsetzungen gaebe es genug.

Samstag, 2. Juni 2012

Fortbewegungsmittel in Tansania

Heute geht es fuer einen Wochenendausflug nach Kartesh, den Hanang besteigen. Das nehme ich mal zum Anlass fuer eine kleine Zusammenfassung meiner Reiseerfahrungen nach neun Monaten, drei groesseren und etlichen kleinen Reisen in und aus Mwanga:

Füße (Miguu)
Sind tagsüber für Stecken bis zu etwa 5 km, wenn der Bus verpasst wurde auch bis zu 20 km, die bevorzugte Fortbewegungsart. Auf dem Land ist auf passendes Schuhwerk zu achten, da manche Dornen auf dem Boden auch Turnschuhe durchbohren können und man nach Regen unter Umständen durch kleine Flüsse oder knöchelhohen Schlamm waten muss – zu empfehlen sind daher Autoreifenschuhe (auf jedem Markt für umgerechnet 1,50 € zu kaufen). Will man abends noch zu einem Spaziergang aufbrechen, sollte man darauf achten, dass mindestens Halbmond und der Himmel klar ist, wenn man den Weg nicht bereits so oft gelaufen ist, dass man ihn auch mit geschlossenen Augen findet. In Städten sollte man sich zuvor Empfehlungen von Einwohnern anhören; so erfährt man zum Beispiel in Karatu, dass man nach 11 Uhr abends von der Polizei aufgegriffen werden kann, wenn man noch auf der Straße ist (ob man dann auch darauf hört ist etwas anderes).

Fahrrad (Basikeli)
Da fast niemand ein Auto besitzt fahren umso mehr Menschen Fahrrad, und wenn in einer Gegend fast keine Busse fahren, fährt man damit auch schon mal zum Einkaufen oder zur Arbeit 25 km in die Stadt und wieder zurück. Auch oft zum Wasser holen verwendet, indem zwei zusammengebundene Wasserkanister über den Gepäckträger gespannt werden. Bin ich selbst nie gefahren, habe mir aber sagen lassen, dass bei regelmäßigem Gebrauch etwa einmal wöchentlich ein Reifen geflickt werden muss. Sind in der Stadt kaum anzutreffen.

Kuhwagen (Trela)
Von 2-4 Kühen oder Eseln gezogen; wird von denen, die einen haben, zum Wasser oder Holz holen oder für Feldarbeit verwendet und von anderen bei selber Reiserichtung mitbenutzt (um einen „lifti“ bitten). Kann schon mal schneller sein als ein Bus, wenn dieser auf der Straße liegen bleibt, und hat von allen Fortbewegungsarten den größten Spaßfaktor. Sieht man in der Stadt eher selten.

Motorrad (Pikipiki bzw. Bodaboda)
Motorradtaxis sind die günstige Alternative zu Autotaxis und die bequemere zu langen Fußmärschen mit Gepäck, gerade wenn man in einer neuen Stadt ankommt und den Weg nicht kennt. Eine Fahrt ist aber nichts für schwache Nerven. Der Zustand der Fahrzeuge ist mehr als reparaturbedürftig; mit Glück erwischt man eine Maschine, bei der nur der Tacho nicht funktioniert, mit Pech sind es die Bremsen. Einen Helm für die Fahrt gibt es nicht, und so düst man über Erdstraßen voller Schlaglöcher und Steine, durch Kuhherden hindurch und bei Regen vor allem durch Regenflüsse und Schlamm. In der Stadt ist das Ganze zu Hauptverkehrszeiten noch lustiger, wenn man sich millimeterdicht an Autos durch den Stau manövriert und der Fahrer prinzipiell davon ausgeht, dass Ampeln nur für Autos gelten. Ist man an einem Ort häufiger auf Pikipikis angewiesen, empfiehlt es sich, sich die Nummer des Fahrers seines Vertrauens aufzuschreiben und ihn bei Bedarf anzurufen; damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, einmal einen zugedröhnten Fahrer zu erwischen. Wenn man von all dem aber absieht- macht Pikipiki fahren einfach nur Spaß!

Auto (Gari) bzw. Taxi (Teksi)
Ein Auto haben die wenigsten, und die, die eins haben, gebrauchen es sparsam, da Sprit teuer ist. Taxis gibt es auf dem Land nicht, man kann höchstens mit Glück an der Straße einen Lifti auf einem Lastwagen erwischen; wenn man ein Auto trifft ist es vermutlich das der Pfarrer. In der Stadt sind Taxis bei viel Gepäck notwendig und nachts empfehlenswert, wenn man Angst vor einem Raubüberfall hat. In jedem Fall sollte man sich erstens davor über den gebräuchlichen Preis informieren, zweitens sich möglichst schon vor der Fahrt über den Preis einig werden, sich drittens darauf einstellen zu handeln und zu streiten, dass die Fetzen fliegen und viertens nicht vergessen, den Fahrer am Ende trotzdem freundlich und mit einem Lachen zu verabschieden.

Bajaja (Kenia: Trotro)
Bajajas sind eine dreirädrige Symbiose aus Roller und Auto mit Plastikplane als Wände und Dach. Sie sind billiger und flexibler als Taxis und können mehr Gepäck und Menschen transportieren als ein Pikipiki, außerdem kann man sich als Weißer vor potentiellen Räubern verstecken. Gibt es nicht in jeder Stadt und bin ich auch nur in Kenia gefahren, da sich fast immer ein Pikipiki empfiehlt, wenn man allein unterwegs ist.

Daladala (Kenia: matatu)
Daladalas sind Kleinbusse für 15-20 Leute, die bei Bedarf aber phänomenal viele Menschen aufnehmen können, solange sich die Tür noch irgendwie schließen lässt. Sie sind der öffentliche Nahverkehr in Städten und um diese herum. Eine Fahrt kostet etwa 20 ct, es gibt feste Strecken und mehr oder weniger feste Haltestellen, die für Fremde aber als solche nicht erkenntlich sind. Abfahrtszeiten oder gar Fahrpläne gibt es nicht, die meisten DDs fahren alle paar Minuten in eine Richtung, andere für weiter entfernte Ziele nur ein paar mal am Tag. Wenn man an einem DD-Busbahnhof ankommt ist darum meistens die einzige Möglichkeit, den richtigen Wagen zu finden, sich herumfragen. Auf vielen DDs steht das Endziel bzw. die Richtung zwar auf dem Wagen, aber darauf sollte man sich nicht verlassen, gerade wenn das Endziel nicht das eigene Ziel ist. Im Normalfall wird man aber gleich jemanden finden, der einem weiterhelfen kann und einen persönlich auch bis zum anderen Ende des Bahnhofs begleitet und in den richtigen Wagen setzt, ohne etwas dafür zu wollen. Dann aber sicherheitshalber trotzdem noch einen zweiten fragen, ob man hier tatsächlich richtig ist, oder ob es nicht einen anderen ähnlich klingenden Ort gibt.

Cruiser
Sind ebenfalls Kleinbusse, aber mit vorgegebenen Sitzplätzen und meist in technisch besserem Zustand, und werden für beliebte, längere Stecken von Stadt zu Stadt verwendet. Eine Cruiserfahrt ist ein bisschen teurer als die selbe Strecke mit dem Bus, aber zuverlässiger und vor allem schneller, da hier meist pünktlich und in einem Zug durchgefahren wird, ohne in den Dörfern zu halten. Der Komfort lässt zu wünschen übrig, da in eine Sitzreihe eine Person mehr eingeplant wird, als es bequem wäre. Bleibt nur zu hoffen, dass der Fahrer sich beim Überholen nicht überschätzt und im Schlamm stecken bleibt, sodass man schließlich den Bus an einem vorbeifahren sieht, während die Männer versuchen, den Wagen zu befreien…

Bus (Basi) – Kurzstrecken
Kurzstrecke meint hier eine Fahrtzeit von bis zu etwa 6 Stunden zwischen weniger großen Städten, wobei überwiegend oder ausschließlich auf Erdstraßen und damit durch Dörfer, Felder und Wildnis gefahren wird. Die Busse sind von der Form her einmal Reisebusse gewesen, bis sie zerlegt und aus Ersatzteilen neu zusammengebaut worden sind; die Pexiglasfenster haben Sprünge oder fehlen ganz, die Sitze sind hundert mal gerissen und fünfzig mal geflickt worden und manchmal findet man ein Loch im Boden, durch das man die vorbeiziehende Erde sehen kann – aber sie fahren. Sie fahren ein bis paar mal am Tag und Abfahrtszeiten sind fest, richten sich aber nach Fahrgastanzahl, so dass auch 45 Min zu spät oder 10 Min zu früh abgefahren werden kann. Die Fahrgastanzahl dagegen ist unbegrenzt, und das ist wörtlich zu nehmen: an einem Markttag war der Bus so vol, dass Jonas während der Fahrt auf den Füßen eines anderen stand und ich mit halbem Körper aus der offenen Tür hing. Hinzu kommt das Gepäck der Passagiere, da diese Busse oft der einzige Weg sind, Verkaufsgut wie Reissäcke, Sodakisten oder einen Bund zusammengebundener lebender Hühner zu transportieren – all das findet Platz auf dem Dach oder im Gang, was das Durchqueren schon zu einem Abenteuer macht. Steigt man auf halbem Weg zu gibt es Richtuhrzeiten, zu denen der Bus für gewöhnlich vorbeifährt. Wenn man ankommen will sollte man pünktlich sein. In 9 von 10 Fällen wird man der erste an der Haltestelle sein und 0.5-2 Stunden auf den Bus warten, aber der Tag, an dem man selbst ein paar Minuten später kommt wird der sein, an dem der Bus schon vor einer halben Stunde vorbeigefahren ist. Manchmal kommt er auch gar nicht, weil er auf der Fahrt kaputt gegangen ist. Wenn man dabei gerade selbst im Bus sitzt kann man aussteigen, an einem nahegelegenen Kiosk eine Soda trinken und zusehen, wie die Busarbeiter diverse Wagenteile aus- und andere Teile einbauen, und seien es auch Äste vom Baum am Wegesrand. Wenn auch das nicht hilft kommt nach ein paar Stunden vielleicht ein Ersatzbus, der einen doch noch ans Ziel bringt. Wenn nicht, dann blöd gelaufen.

Bus – Langstrecken
Das sind die Busse, die auf den asphaltierte Straßen meist ab früh morgens von Großstadt zu Großstadt fahren. Es sind Reisebusse in gutem Zustand, jeder bekommt einen Sitzplatz zugeteilt und manchmal gibt es im Bus sogar einen Fernseher und gratis Soda und Kekse. An guten Tagen sitzt man dann bequem am Fenster, hat einen netten Sitznachbarn für Gespräche, lässt die atemberaubende Landschaft an sich vorbeiziehen, während der warme zugwind einem ins Gesicht weht und kauft von Zeit an den Zwischenstationen Obst, Chips oder Getränke von den herbeieilenden Verkäufern durch das Fenster durch. Mit Mangos, Cashewnüssen, Maiskolben oder Avocadosaft lässt sich die 10-stündige Fahrt dann noch besser genießen. An einem schlechten Tag wurde man trotz gutem Kiswahili wieder einmal beim Preis reingelegt, man verlässt nach einiger Zeit plötzlich die Asphaltstraße, es fängt an zu regnen, man kämpft sich durch den Schlamm und bleibt schließlich mitten im Nirgendwo doch in diesem Stecken, so dass aus 9 Stunden Fahrt doch 14 Stunden werden (es könnte daran liegen, dass man statt nach Dar es Salaam nach Kigoma unterwegs ist…) Die Busse sind jedenfalls die einzige Reisemöglichkeit für lange Strecken, wenn man sich nicht gerade ein Flugicket leisten kann.

Schiff (Meli) bzw. Boot (Boti)
Schiffe fahren auf dem Viktoriasee, Tanganikasee, Malawisee und am Ozean, mit drei Arten bin ich gefahren. Von Kigoma (-> Tanganikasee) zum Gombe Nationalpark kamen wir mit einem Wassertaxi, ein großes Motorboot, das zwei mal am Tag in diese Richtung vollgeladen mit Fracht und Menschen den Hafen verlässt und an der Küste entlang an diversen Fischerdörfern hält. Nach Gombe sind es zwei Stunden Fahrt, in der man Zeit hat, mit seinen Nachbarn Kekse und Ananas zu tauschen, während die Sonne knallt und man sich nur mit einem nassen Tuch abkühlen kann. In Mwanza (-> Victoriasee) fährt mehrmals täglich eine Fähre zwischen der Stadt und der Straße nach Geita, die vor allem LKWs, Busse und Dalladallas transportiert. Wenn man mit dem Bus kommt steigt man aus, kauft sich ein Fährenticket (20 ct) und verbringt die halbstündige Fahrt auf den Bänken an der Reling an der frischen Luft. Bei der Ankunft sollte man sich beeilen, erstens schnell und zweitens in den richtigen Bus zur Weiterfahrt zu steigen. Von Dar es Salaam aus (-> Ozean) sind es Schiffe, die einen nach Sansibar bringen. Jedes hat seinen eigenen Namen und Einwohner haben ihre Lieblingsschiffe, um an das jeweilige Ufer zu kommen. Tagsüber dauert die Fahrt 2-4 Stunden. Drinnen gibt es eine Klimaanlage, viele Sitzplätze und Getränke und Essen zu kaufen, draußen im obersten Stockwerk kann man den Ozean angucken, bis man seekrank wird, und sich dann auf den Boden zu den anderen Fahrgästen in den Schatten schlafen legen. Ein Schiff gibt es, das nachts beide Häfen verlässt und am nächsten Morgen am anderen ankommt. Man spart sich eine Nacht im Gästehaus und schläft drinnen im Kühlen auf den Sitzen oder draußen in der nächtlichen Tropenhitze zwischen anderen Reisenden auf einer Decke auf dem Boden. Nicht vergessen, die Schuhe dabei unter der Decke zu verstecken, sonst darf man am Morgen barfuß weiterreisen (wenn man nicht noch seine Duschflipflops im Gepäck hat).

Zug (Treni)
Fährt von Dar über Dodoma und Tabora bis Kigoma, ist über hundert Jahre alt und bin ich nie gefahren, habe mir aber sagen lassen, dass es unzuverlässig, langsam und voll ist. War früher, als es noch nicht so viele Busse gab, auf dieser West-Ost-Strecke das gängige Reisemittel für Tansanis. Für den Zug als Reisemittel spricht nur der günstigere Preis im Vergleich zu Bussen auf der selben Strecke, für eine Reiseerfahrung lohnt sich die Fahrt bestimmt, wenn man 1, 2 Tage Puffer einplanen kann.

Flugzeug (Ndege)
Einen Flughafen gibt es glaube ich in jeder größeren Stadt, ein Flugticket können sich aber weder Tansanis noch Freiwillige leisten. Vom Reisespaß, den man verpasst, ganz zu schweigen.