Seit zwei Wochen sind wir also in Kenia.
Nach neun Stunden Flug mit Umstieg in Aethiopien- Visum hatte ich schon in Deutschland per Post beantragt und bekommen-, einem etwas unorganisierten Start in Nairobi, acht Stunden Busfahrt am naechsten Tag nach Kisumu und weiteren zwei Stunden Autofahrt nach Mukomari kamen wir an unserem Zielort an.
Die Begruessung der Pfarrer war herzlich. Auch wenn es schon beim Essen die ersten Schwierigkeiten gab, da man Vegetarirer aus ethischen Gruenden hier nicht kennt und Ugali fuer die meisten doch eher gewoehnungsbeduerftig war.. die erste Nacht schliefen wir jedenfalls im Haus der Pfarrer, am naechsten Tag zogen wir um in unser eigenes Haus, in dem wir seither wohnen, kochen und schlafen.
Es ist unglaublich, wie sehr sich alle ueber unser Kommen freuen. Seit wir ankamen, wurde uns geholfen, wo es ging. Und wurde beigebracht, wie man mit dem Kohlpott kocht, wo man in der Gegend einkaufen kann und was die Sachen kosten, wie man mit oeffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt kommt, wie man ordentlich Boden wischt und vieles mehr. Besonders erwaeht seien: unsere wunderbare Nachbarin Beris, die uns immer wieder mit der Kohle hilft oder Wasser bringt, obwohl wir immer wieder sagen, dass wir es selbst holen. Virginia, Jessica und Elisa, die vom ersten Tag an unsere Freude wurden, am meisten geholfen haben und uns an den verregneten Nachmittagen Gesellschaft beim Uno oder Pantomime spielen Gesellschaft leisten. Und Emilie, die mich eingeladen hat, als es bei einem Spaziergang anfing zu schuetten und ich zufaellig neben ihrem Haus stand, dank der ich die halbe Nachbarschaft kennengelernt habe und der wir die Avocadocreme von heute Abend zu verdanken haben werden.
Die Arbeit hier bestand bisher vor allem aus der Maisernte. Wir kamen gerade richtig zur Ernte der zwei Gemeindefelder. Diese gehoeren der Gemeinde, der Mais geht an die Pfarrer und ueber diese auch an die Gemeinde bzw. an Beduerftige, wie ich es verstanden habe, und geholfen haben Gemeindemitglieder, Schwestern, Lehrer und ganze Schulklassen. Da Ugali, eine Masse aus Wasser und Maisbrei, hier Hauptnahrungsmittel ist, werden die meisten Maiskolben zu Maismehl verarbeitet. Das bedeutet, dass die Koerner eines jeden Maiskolbens per Hand abgepuhlt werden muessen. Wenn wir darum, wie heute, mal keine Arbeit finden, wissen wir, was wir machen koennen.
Daneben haben wir uns an ein paar Tagen aufgeteilt und die Primary und Secondary School besucht. Waehrend wir in der Secondary eigentlich nichts zu tun hatten, weil wir bei Abiniveau natuerlich schlecht unterrichten koennen, wurden wir in der Primary gleich in Klassen gesteckt.
Ich hatte gesagt, ich wuerde gerne Erdkunde unterrichten. Weil wir ja nicht lange hier sind, dachte ich, eine Stunde etwas ueber Europa erzaehlen zu koennen. Vor der Klasse merkte ich ziemlich schnell, dass der Plan nicht aufging. Niemand wollte Fragen beantworten, ob aus Schuechternheit oder weil sie die Antwort nicht wussten weiss ich nicht, darum wurde der Unterricht zu einer Fragerunde ueber Deutschland und Europa und mich. Und es gab tausend Fragen: Was wir in anbauen und essen, welche Tiere es in Deutschland gibt, wie meine Eltern heissen, welche Seife wir benutzen, welche Haeuser wir haben, ob wir Flugzeuge und Autos haben, welches Klima wir haben, welche Fluesse es gibt, wie viele Aerzte wir haben, wie lange wir zur Schule gehen, ob man abtreiben darf, ob Jungen bei uns beschnitten werden (von einem vielleicht Zwoelfjaehrigen, wohlgemerkt). Zum Schluss wollte die Klasse, dass ich ein Lied singe. Naja, ich habs getan. Damit gab es zum Ende wenigstens noch etwas zu lachen. :)
Mukomari ist eine katholische Gemeinde, das heisst fuer uns, dass wir jeden Sonntag (und machnmal auch unter der Woche) in den Gottesdienst gehen. In der ersten Woche haben wir uns aufgeteilt, ich bin mit dreien aus der Gruppe mit Father William in eine Kirche ein Stueck entfernt gefahren, die anderen blieben in der "Hauptkirche" St. Phillips. Letzten Sonntag waren wir alle zusammen in der St. Phillips. Obwohl man uns eigentlich schon kennt, haben wir uns noch einmal offiziell vor der ganzen Gemeinde vorgestellt. Es wurde gescherzt, wer von den anwesenden Maennern eine von uns heiraten will, wer bereit ist, zwoelf Kuehe als Brautpreis zu zahlen und diese an die Familien in Deutschland zu schicken... ja, und zum Abschluss wurde wieder gesungen. Hinterher kamen noch ein paar Leute vor, um sich bei uns zu bedanken. Dafuer, dass wir hier sind. Wir sind das erste Workcamp in Mukomari und ich haette nie gedacht, dass man sich so sehr ueber uns freuen wuerde.
Es ist hart, daran zu denken, dass wir schon am Freitag wieder wegfahren. Drei Wochen sind im Grunde viel zu kurz, und es wird schwer sein, den Kontakt zu halten. Dann beginnt unsere Reisewoche. Verreist sind wir bisher nur das letzte Wochenende fuer eine Nacht, die anderen waren am Victoria Lake und ich im Kakamega Rainforest Zelten. Vielleicht kann ich beim naechsten mal ein paar Fotos hochladen.
Bis bald!
das ließt sich sehr schön!
AntwortenLöschenkannst du jetzt trotzdem vegetarisch essen, oder fällst du da ausnahmsweise vom glauben ab? (du weißt, das interessiert mich immer brennend (; )
hab ich das richtig verstanden- du wolltest erdkunde unterrichten? mädchen... ich amüsiere mich prächtig! (;
vielleicht war es ja dein glück, dass aus der stunde nichts wurde... :D
und welches lied hast du gesungen?
wie ist das, mit dem gottesdienst? so mit gesang? macht's spaß?
ich freue mich auf mehr und wünsch dir weiterhin alles gute.
du fehlst mir.
ich bin nach wie vor vegetarier. (;
AntwortenLöschenverstanden wird das nicht, ist aber nicht schwer, weil es fleisch nur zu besonderen anlaessen gibt. wie zu unserer abschiedsfeier: da haben wir ein huhn gekauft, das unser nachbar fuer uns geschlachtet hat. immerhin weiss ich jetzt, wie es geht.
ich hab laudato si gesungen. und nichts gegen meine faehigkeiten als lehrer, vielleicht geh ich ja doch in die schule in mwanga. (;
der gottesdienst war immer ganz aehnlich wie in deutschland, soweit ich das beurteilen kann. gesungen wird sehr viel, ohne instrumente oder mit trommel, rasseln und schellen. es ist nicht so spannend, wenn man sprachlich nichts versteht, hab aber ja die hoffnung, dass sich das in paar wochen langsam aendert.
du fehlst mir auch.
Heyhey^^
AntwortenLöschenSchöner Eintrag und wie man sieht, scheinst du viel Spaß dort unten zu haben^^ Was mich mal interessieren würde: Was für Häuser haben die den dort? Sind das noch Lehmhütten, bzw Blechverschläge oder sind die schon annähernd vergleichbar mit unseren Häusern? (Mal abgesehen von fließend Wasser und Strom) Wie ist das egtl für dich, als jemand, die ja aus einer der größten Industrienationen kommt, auf einmal in einem Entwicklungsland zu arbeiten? Gibts groß Probleme, sich von den ganzen tollen Unterhaltungsmedien zu lösen oder werdet ihr anderweitig gut so gut unterhalten, dass ihr keine PCs, Laptops, Fernsehn etc braucht? Habt ihr da unten egtl Fernsehen?
Eine Frage, die mich auch noch brennend interessiert ist, wie es die Menschen dort unten mit ihrer eigenen Religion halten. Wie man ja weiß, gibt es den Katholizismus dort unten ja noch nicht soo lange und bevor die Kolonisten kamen, hatte ja jeder Stamm sozusagen noch eine eigene Religion... gibt es von diesen "Urreligionen" noch Spuren, irgendwelche Traditionen/Angewohnheiten?
Wie ist das egtl mit dem Wetter so bei euch? Seid ihr jetzt eher in einer Trockenregion oder habt ihr ein tropisches Klima? Ist der Temperaturunterschied von Tag auf Nacht wirklich so dramatisch, wie man es immer wieder hört?
Lass dich lieb Grüßen und fühl dich gedrückt.
PS: Freu mich schon auf den nächsten Eintrag, und hoffentlich auch mal ein paar Fotos^^
hey basti.
AntwortenLöschenich beziehe mich hier mal auf kenia. also: die haeuser sind nicht nur annaehernd vergleichbar mit unseren, sie sind wie unsere. ;) st. phillips ist eine recht grosse kirche und koennte genauso bei uns stehen, die haeuser sind einstoeckig, aber eben auch aus zement. lehmhaeuser gibt es daneben auch. ein lehrer hat erklaert, dass sie oft uebergangsweise gebaut werden, waehrend ein zementhaus gebaut wird, und viele haben auch mehrere haeuser und damit oft beide arten. strom und wasser aus dem hahn gibts in manchen haushalten auch.
von arbeiten konnte ja noch nicht wirklich die rede sein. von uns hat eigentlich niemand das internet grossartig vermisst, aber in der gruppe ist es auch nicht schwer, sich die zeit zu vertreiben.
wie gesagt, mukomari ist katholisch. und sie sind um einiges christlicher als wir, was die praxis angeht. jener lehrer hat erzaehlt, dass manche der aelteren generation noch an die alten religionen glauben und darum in ihrem haus beerdigt werden wollen statt auf dem friedhof, aber mehr weiss ich darueber nicht.
mukomari liegt direkt am regenwald und gerade war regenzeit. meistens konnte man die uhr stellen nach dem regen am nachmittag, vormittags war es heiss. und die naechste waren tatsaechlich sehr kalt, im wald im zelt bin ich fast erfroren. in mombasa an der kueste war es rund um die uhr heiss und schwuel.
liebe gruesse. :)
Hehe, klingt alles ziemlich interessant... jetzt hab ich auch endlich mal wieder Zeit gefunden, vorbei zu schauen... werd mich dann gleich mal durch die neuen Einträge lesen^^
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